Rubelschwäche: Alle leiden, nur Putin freut sich

Rubelschwäche
Alle leiden, nur Putin freut sich

Die Rubelschwäche verunsichert Märkte und Bevölkerung in Russland. Für die meisten Unternehmer ist die Volatilität der Währung ebenfalls ein gewaltiges Problem. Kremlchef Wladimir Putin sieht jedoch auch Vorteile darin.
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MoskauRekordtief für die russische Landeswährung: Der Rubel hat am Donnerstag erneut drastisch gegenüber dem Dollar verloren. Die US-Währung verteuerte sich bereits am zweiten Tag in Folge, diesmal um mehr als vier Prozent. So teuer war der Dollar zuletzt in der Rubelkrise 1998, nachdem es zu anschließenden Neuwertung der russischen Währung kam. Damals tauschten die Russen 1000 alte Rubel gegen einen neuen.

Der Euro stieg auf einen Wert von 92,56 Rubel und damit den höchsten Stand seit Dezember 2014. Damals drückten Panikverkäufe an der Moskauer Börse den Rubel kurzzeitig auf einen Wechselkurs von 1:100 gegenüber der europäischen Einheitswährung – Russlands Präsident Wladimir Putin machte Spekulanten für den Absturz verantwortlich.

Doch diesmal hält selbst die russische Führung die Talfahrt für begründet. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina jedenfalls erklärte, der Rubel sei nun nahe seiner fundamentalen Basis. Tatsächlich reagiert der Rubel auf die anhaltende Schwäche des Ölpreises.

Die Baisse an den Rohstoffmärkten ist für Russlands Wirtschaft verheerend: Schon 2015 sank das BIP um 3,8 Prozent. Nun hat der Internationale Währungsfonds seine ohnehin trübe russische Prognose für 2016 noch einmal nach unten korrigiert. Demnach wird es in diesem Jahr statt 0,6 um ein ganzes Prozent nach unten gehen.

Auch die Haushaltsvorgaben von Putin sind für die Regierung damit nur noch schwer umzusetzen. Ein Defizit von drei Prozent ist nur noch mit drastischen Kürzungen zu erreichen. Der Verfall des Rubels wird daher in der russischen Führung eher als Segen betrachtet: Die meisten Einnahmen werden in Dollar erzielt durch die Ausfuhr von Rohstoffen. Die Ausgaben hingegen sind rubelbasiert, sie sinken also bei fallendem Kurs.

Wohl auch deshalb macht die russische Führung gute Miene zum bösen Spiel: Premier Dmitri Medwedew erklärte, die Inflation werde trotzdem in Grenzen gehalten. In den nächsten 15 Jahren werde es keine zweistelligen Inflationszahlen mehr geben, versprach der Ministerpräsident.

Und selbst Putin versuchte bei einer Veranstaltung der Gewerkschaft für Kleinunternehmer „Opora Rossii“ Optimismus auszustrahlen. Die letzten zwei Jahre seien für die Wirtschaft gewiss nicht leicht gewesen, doch sie seien durchgestanden worden – auch von Kleinunternehmern. Durch den Rubelverfall „eröffnen sich neue Möglichkeiten für das Business“, fügte er anschließend hinzu.

Mit Währungsspekulationen machen allerdings nur die wenigsten Unternehmer in Russland ihr Geschäft. Für die meisten Unternehmer ist die Volatilität des Rubels ein gewaltiges Problem. Sie können weder Preise kalkulieren, noch Kredite aufnehmen – und die Verkäufe sind wegen der Inflation ebenfalls rückläufig.

Kommentare zu " Rubelschwäche: Alle leiden, nur Putin freut sich"

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  • Ich werde die Tage ein paar Tanker-Aktien kaufen, denn die Kriegsparteien werden weiterhin ihren Krieg mit Öl bezahlen und irgendwo muß das Zeug hin.

  • Lieber Herr Hofmann,

    mit was sich auch immer ein Artikel im Handelsblatt befasst, haben Ihre Kommentare immer einen mehr oder weniger identischen Inhalt. Beispiele: grün-sozialistisch, CO2, EEG, Maastrichter "EURO" Vertragsbruch. Das geht doch am Thema des Artikels vorbei.

    Da Sie ja über volkswirtschaftliches Verständnis verfügen – siehe Ihren Kommentar vom 8. d. J. – wäre Ihre auf den Artikel bezogene Kommentierung interessant zu wissen.

    Meine Einschätzung zu Russland habe ich wiederholt dargelegt und daran ändert sich auch nichts.

  • Der Ölpreisverfall ist Teil eines Wirtschaftskrieges welchen die USA gegen Russland führen. Auch die Eingung mit dem Iran dient diesem Ziel. Russland wird das durchaus einige Jahre wegstecken können. Wie bis dann die westlichen Volkswirtschaften -insbesondere Europa- dastehen, wird man sehen.

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