Ruhe an den Märkten
Zaghafte Erholung bei Metallpreisen

Der Preisverfall auf den Metallmärkten scheint abgeschlossen zu sein: Produktionsausfälle und Hoffnungen auf einen chinesischen Nachfrageschub nach den Olympischen Spielen stützen die Metallpreise.

LONDON. Die Metallpreise haben seit dem Frühjahr um nahezu ein Fünftel korrigiert. Diese Phase scheint abgeschlossen. Selbst das schleppende Wirtschaftswachstum schreckt die Anleger an den Metallmärkten nicht mehr ab. Noch bis vor kurzem waren die Verkäufe nervös gewordener Anleger "ziemlich wahllos", bemerkt Gayle Berry von Barclays Capital in London. In Europa seien die Mittel aus sämtlichen Rohstoffkategorien im August schneller abgeflossen als jemals zuvor, so Berry. Das grundlegende Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei den jeweiligen Rohstoffen habe dabei keine Rolle gespielt.

Seitdem ist wieder etwas Ruhe an den Märkten eingekehrt. Von Panikverkäufen, nicht zuletzt auch unter dem Druck eines plötzlich wieder steigenden Dollars, kann nicht mehr die Rede sein. Der Euro hat sich zudem zum Dollar wieder stabilisiert. Die Marktteilnehmer blicken daher nun stärker auf die "Fundamentals", bevor sie Kasse machen oder sich neu engagieren. Das Abwägen von Angebot und Nachfrage ist bei den Industriemetallen zurzeit besonders wichtig. Einmal mehr blicken die Anleger vor allem auf China; sie setzen auf einen Nachfrageschub nach Beendigung der Olympiade. Zur Verringerung der Luftverschmutzung hatte das Riesenreich weite Teile der Industrieproduktion suspendiert.

Noch wichtiger ist allerdings die Angebotsseite: Weltweit sind die meisten Industriemetalle weiterhin von Produktionsausfällen oder-kürzungen betroffen. Vor diesem Hintergrund hält denn auch Tobias Merath von der Credit Suisse den Preisverfall der letzten Monate insbesondere bei Aluminium, Kupfer und Nickel für überzogen. Bei Nickel seien zehn Prozent der Hütten in der Welt nicht mehr in der Lage, bei dem langjährigen Tiefstpreis von zeitweise nur 18 000 Dollar je Tonne ihre Produktionskosten zu decken.

Inzwischen hat sich der Nickelpreis wieder von dem niedrigen Niveau etwas gelöst. Meldungen, dass auch Russland, der Welt größter Nickelerzeuger, Produktionskürzungen erwägen soll, katapultierten die Notierungen auf über 20 000 Dollar. Nachhaltig werde der Preise aber nur dann weiter steigen, warnt Merath von der Credit Suisse, wenn sich die Erholung der Welt-Stahlindustrie fortsetze. Diese nehme über zwei Drittel des gesamten Angebots des Legierungsmetalls auf. Im Frühjahr 2007 war der Nickelpreis wegen einer akuten, vorübergehenden Verknappung an dem traditionell engen Markt sogar auf über 50 000 Dollar je Tonne in die Höhe geschnellt.

Bei Aluminium, das dagegen schon seit längerem reichlich am Markt vorhanden ist, setzen Anleger erst mittelfristig auf eine Erholung des Preises. Dieser war von 3 300 Dollar Anfang Juli bis auf rund 2 700 Dollar je Tonne abgestürzt. Analysten erwarten aber, dass nahezu zwangsläufig die beträchtlich gestiegenen Energiepreise zu einer Verteuerung des Leichtmetalls beitragen werden. Aluminium verbrauche schließlich bei der Verhüttung mehr Strom als jedes andere Metall. Um Energie zu sparen, wollen bereits die zehn größten Hütten Chinas zehn Prozent ihrer Produktion streichen. Auch anderswo in der Welt stehen Produktionskürzungen an.

Seite 1:

Zaghafte Erholung bei Metallpreisen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%