Run auf Rohstoffe
Reserven für den Notfall

Viele Rohstoffpreise schießen durch die Decke. In jüngster Zeit wird es vor allem bei Commodities für die industrielle Verwendung knapp: Nickel und Zink sind Paradebeispiele.

FRANKFURT. „Die bekommt man kaum noch, und das ist problematisch“, sagt Roman Hinz, Geschäftsführer der vor kurzem gegründeten BM Base Metal Storage Warehouse-Organisation in London mit Zweigniederlassung in Bremen.

Andere Länder wie die USA, China, Australien und Japan haben bereits Programme zur Sicherung des Bedarfs initiiert. Einige Staaten wie China gehen dabei sogar äußerst offensiv vor. Der weltweite Run auf die lebenswichtigen Rohstoffe ist im vollen Gange.

Deutschland hinkt hinterher. Die prekäre Lage bei der Energieversorgung ist zwar inzwischen ins Bewusstsein gedrungen. „Die Politiker in Brüssel und Berlin sind alarmiert“, sagt Hans-Gerhard Hoffmann von der Norddeutschen Affinerie und innerhalb von Verbänden wie dem BDI mit Rohstoff-Fragen beschäftigt. Doch er schränkt ein: „Bei Industrierohstoffen stoßen wir auf mehr Unverständnis, da sind die Politiker noch nicht so sensibel – was wir bedauern.“ Und Wolfgang Weber, Chef der Taurus Investors Limited, die Anlegern Lagerung und Handel von Edelmetallen offeriert, bestätigt: „Das Problem wird nicht wahrgenommen, aber die Verknappungslage wird uns erhalten bleiben.“

Initiator und Berater von BM ist Isaac Levy; seine Familie ist seit über 150 Jahren im Metallgeschäft aktiv. Dazu zählen neben Metallhandel auch Minenengagements. Das BM-Geschäftsmodell sieht Ein- und Verkauf der Metalle sowie deren Lagerung vor. Es geht beispielsweise um Kupfer, Nickel, Zink, Silber, aber auch weniger bekannte Metalle wie Germanium, Kobalt, Wolfram oder Molybdän.

Während die London Metal Exchange (LME) rund 400 Läger weltweit unterhält, startet BM mit einer 60 000 Quadratmeter großen Lagerfläche im Bremer Industriehafen. „Die Kapazitäten reichen für 900 000 Tonnen Metalle“, sagt Levy. Das Gelände werde bewacht, für wertvolle Ware wie Silber seien zusätzliche Sicherungen geplant. Die Logistik für den Welthandel sei gut: „Hier können Schiffe der Größe ’Panamaklasse’ anlegen.“

Mit ihrer Initiative wollen die BM-Strategen Unternehmen und Investoren ansprechen. Die Deutschen haben rund 1,5 Bill. Euro an Sparvermögen. „Davon ein Drittel in Rohstoffe umwandeln, das ist unser Ziel“, sagt Levy. Hinz betont, „dass der Käufer ein unantastbares und markiertes Eigentum an dem gewählten Metall erwirbt, wir außerdem das Metall auf Wunsch auch zurücknehmen“. Zink werde gerade in das Lager eingeliefert, Aluminium, Magnesium, Kobalt und Blei sollen bald folgen.

Die nächsten Aktionen sind in der Pipeline. Das Edelmetalldepot befindet sich in Vorbereitung, wobei Gold ausgeschlossen ist. Geplant ist auch die Einführung einer Genossenschaft im Sinne einer Einkaufs- bzw. Rohstoffsicherungsgenossenschaft. Darüber hinaus arbeitet BM an einem zweiten Lagerprojekt in Rostock. Später soll das Geschäftsmodell auf andere Länder übertragen werden.

Hoffmann will eher auf politischer Ebene die Dinge ändern. Deutschland habe international in der Wahrnehmung der eigenen Verwundbarkeit bei der Rohstoffversorgung Nachholbedarf. Recycling wird beispielsweise seit langem als wichtige Rohstoffquelle erkannt. Verordnungen regeln das Einsammeln der Materialien, aber nicht die Verwendung. „Wir servieren das dann den Chinesen und Indern auf dem silbernen Tablett“, sagt Hoffmann über die boomende Container-Verschiffung in die aufstrebenden Länder. Die Wettbewerbsverzerrungen besonders durch China sind ihm ein Dorn im Auge. „Dieses Thema muss man im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO behandeln“, sagt er.

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