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Russischer Staat zerschlägt Ölkonzern Yukos

Der russische Staat hat das Kernstück des Ölkonzerns Yukos zum Verkauf ausgeschrieben und die Zerschlagung des Imperiums von Michail Chodorkowski begonnen. Der Förderbetrieb Juganskneftegas werde mit einem Startpreis von 246,75 Mrd. Rubel (6,6 Mrd. Euro) am 19.

dpa-afx MOSKAU. Der russische Staat hat das Kernstück des Ölkonzerns Yukos zum Verkauf ausgeschrieben und die Zerschlagung des Imperiums von Michail Chodorkowski begonnen. Der Förderbetrieb Juganskneftegas werde mit einem Startpreis von 246,75 Mrd. Rubel (6,6 Mrd. Euro) am 19. Dezember versteigert, teilte die Privatisierungsbehörde am Freitag in Moskau mit. "Der Staat begeht einen Diebstahl, um eine politische Rechnung zu begleichen", kritisierte der Yukos-Vorstandsvorsitzende Steven Theede.

Nahezu zeitgleich forderten die russischen Finanzbehörden von Yukos eine weitere Steuernachzahlung von nahezu sechs Mrd. Dollar. Damit summiert sich die Steuerschuld des größten russischen Ölkonzerns nach Aussage eines Konzernsprechers auf bis zu 24 Mrd. Dollar. Das entspreche etwa dem fünffachen der Marktkapitalisierung von Yukos. Die Aktie des Ölkonzerns brach nach der Meldung an der Moskauer Börse zeitweise um 28 Prozent ein. Im Nachmittagshandel verloren die Papiere 25,52 Prozent auf 6,80 Dollar.

Mögliche Käufer Stehen Bereit

Als mögliche Käufer für den 76,79 Prozent großen Anteil an Juganskneftegas nannten russische Medien die kremlnahen Konzerne Gasprom und Surgutneftegas. Außerdem meldete auch der britische Ölkonzern BP Interesse an dem Tochterunternehmen an.

"Der Konzern wird mehr Schulden haben, als sie tilgen kann oder ihre Aktiva wert sind", sagte ein Vertreter der russischen Sicherheitsbehörden der Agentur RIA-Nowosti. Damit sei der Bankrott absehbar. Das Vorgehen der Justiz gegen Yukos und dessen Mehrheitseigner Chodorkowski gilt als vom Kreml gesteuert.

Juganskneftegas Fördert Täglich Etwa Eine Million Barrel

Präsident Wladimir Putin sagte vor dem Abflug nach Lateinamerika lediglich, niemand solle mit den "Problemen um Yukos" Spekulationen betreiben. Der inhaftierte Chodorkowski ließ über seine Anwälte erklären, die Obrigkeit schade nicht nur der Firma, sondern auch dem Staat, den Minderheitsaktionären und der Gesellschaft. Er und sein Kompagnon Platon Lebedjew stehen wegen Steuerhinterziehung und Betrugs vor Gericht.

Das Startgebot für Juganskneftegas liegt doppelt so hoch wie ursprünglich von den Behörden angekündigt. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein hatte allerdings einen Wert zwischen 11,5 Mrd. und 13,6 Mrd. Euro für den westsibirischen Ölförderer geschätzt. Er gewinnt 60 Prozent des Yukos-Öls, täglich etwa eine Million Barrel.

Nach russischem Recht dürfen zur Begleichung einer Steuerschuld eigentlich keine Kernbetriebe eines Konzerns verkauft werden. Yukos hat Klagen gegen mögliche Käufer angekündigt. Russische und ausländische Energiekonzerne äußerten sich am Freitag nicht zu Kaufabsichten. Ein Experte sagte jedoch, wahrscheinlich werde es einen Run auf die lukrativen Ölförderer geben. Nach Medienberichten hat der staatsnahe italienische Konzern ENI Interesse an Juganskneftegas.

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