Russland mit Ölpreispolitik nicht einige
Ölpreis steigt über 31 Dollar

Der Ölpreis its erstmals seit März wieder über 31 Dollar gestiegen. Die als Energieberater für 26 Industrienationen fungierende IEA sagte am Freitag eine weltweite Belebung der Ölnachfrage im vierten Quartal voraus.

HB LONDON. Niedrige Heizölvorräte in den USA und Europa sowie eine Warnung der Internationalen Energieagentur (IEA) vor einer Angebotsverknappung im Winter haben den Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent am Freitag erstmals seit dem Irak-Krieg im März über 31 Dollar steigen lassen. Russland kritisierte unterdessen die Hochpreis-Politik der Opec.

Für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Sorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im November wurden in London gegen Abend mit 31,15 Dollar 1,01 Dollar mehr als am Vortag bezahlt. Leichtes US-Öl verteuerte sich sogar um 1,29 Dollar auf 32,30 Dollar.

Die als Energieberater für 26 Industrienationen fungierende IEA sagte am Freitag eine weltweite Belebung der Ölnachfrage im vierten Quartal voraus. Der tägliche Bedarf werde im Vorjahresvergleich um 0,9 Prozent steigen und damit erstmals die Marke von 80 Millionen Barrel täglich (bpd) überspringen, warnte die in Paris ansässige Organisation.

Bereits am Vortag hatte ein deutlicher Rückgang der Heizölvorräte der USA Sorgen um die Heizölversorgung von Industrie und Verbrauchern im beginnenden Winter geweckt. Die Heizölbestände der USA liegen nach Berechnungen des US-Energieministeriums derzeit um 4,1 Millionen Barrel unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die europäischen Vorräte an Öldestillaten wie Heizöl liegen derzeit um 4,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Seit dem überraschenden Beschluss der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am 24. September, ihre Ölexporte ab November um 900.000 auf 24,5 Millionen Barrel täglich zu reduzieren, ist Erdöl um rund 17 Prozent teurer geworden. Das Ölkartell hatte die Drosselung damit begründet, einen saisonunüblichen Lageraufbau im Winter und damit einen Preisverfall im Frühjahr verhindern zu wollen. Am Freitag bekräftigte Saudi-Arabien als weltweit größter Ölexporteur nach Angaben aus Opec-Kreisen, seine Exporte im November entsprechend des Beschlusses der Ölminister zurückzufahren.

Der russische Energieminister Igor Jusufow äußerte Unverständnis für die Preis-Politik der Opec. Die Organisation hatte erst kürzlich angekündigt, Förderländer außerhalb der Opec, wie Russland, Norwegen und Mexiko aufzufordern, ihre Ölexporte ebenfalls zu drosseln, wenn dies erforderlich werden sollte. „Wir stimmen nicht mit der Opec überein, weil wir glauben, dass Ölpreise über 25 Dollar den Verbrauchern schaden, während sie (die Opec) einen Preis von 28 Dollar anstreben“, sagte Jusufow. Russland verfolge eine Strategie der allmählichen Förder- und Exportsteigerung, wobei die Preise stabil bleiben sollten, fügte er hinzu.

Russland als weltweit zweitgrößter Ölexporteur hinter Saudi-Arabien produziert mit 8,7 Millionen bpd die gleiche Menge wie das Königreich und exportiert davon vier Millionen bpd Rohöl und zwei Millionen bpd Ölprodukte in westliche Staaten.

Analysten wiesen jedoch darauf hin, dass Russland seine Exporte nicht schnell steigern könne. Da nahezu die gesamte russische Ölbranche seit Mitte der 90er Jahre privatisiert sei, habe der Staat auf die Ölförderung praktisch keinen Einfluss mehr. Die Regierung kontrolliere aber das Pipeline-Monopol Transneft, über das der größte Teil der Exporte abgewickelt werde. Da Transneft jedoch bereits an seiner Kapazitätsobergrenze arbeite, sei eine Steigerung der Exporte derzeit technisch nicht machbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%