Sachwert oder Notgroschen?
Das Geheimnis der Olympia-Münzen

Die Deutschen haben vor 40 Jahren zu den Spielen in München Münzen gekauft wie nie zuvor. Jeder Deutsche besitzt theoretisch noch mindestens eine. Die Bundesbank löst sie auch immer noch ein.
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FrankfurtWieder sind Olympische Sommerspiele, diesmal in London. Wieder geht es um Medaillen, Rekorde und die Nationenwertung. Von den Spielen in München, von denen in diesen Tagen wegen des Jubiläums nach 40 Jahren ebenfalls viel die Rede ist, sind heute noch die bunten Sportklamotten, das schreckliche Attentat und ein beeindruckendes Sportgelände in Erinnerung. Und theoretisch hat jeder Anleger noch mindestens ein Andenken im Depot.

Eigentlich waren es ganz normale Münzen zu zehn Mark. Das allein war außergewöhnlich, gab es damals doch lediglich Münzen bis zu einem Wert von fünf Mark. Fünf Motive legte der Bund von 1970 bis wenige Tage vor Beginn der Spiele Ende August 1972 auf: die "Strahlenspirale" als Symbol der Spiele, die verschlungenen Arme mit der Aufschrift "Citius, Altius, Fortius", eine Sportlergruppe, die Sportstätten und zum Schluss das olympische Feuer mit Spirale und Ringen.

Die unglaubliche Zahl von 100 Millionen Münzen hat der Bund damals an seine Bürger verkauft. Nie mehr in der Historie war der Ansturm auf eine Sondermünze derart groß. Und jedes Mal hat er dabei zehn Mark eingenommen. Denn die Münzen kamen in den allermeisten Fällen sofort ins Sammelalbum und so gut wie nie als reguläres Zahlungsmittel in den Umlauf. Dabei wäre das möglich gewesen.

Das Ergebnis war schon damals ein Paradebeispiel dafür, wie ein Loch in der Finanzierung geschickt gestopft werden konnte. Weil die geplanten Kosten für die Bauten in München und die Ausrichtung am Ende mehr als doppelt so hoch lagen, war schließlich jede zusätzliche Einnahmequelle willkommen.

Und die Münzprägung erwies sich als wahrer Geldsegen. Von der einen Milliarde Mark, die so zusammenkam, blieben nach Abrechnung aller Kosten 679 Millionen übrig. Von solchen Arten der Finanzierung können Politiker heute nur noch träumen.

Dabei hatte der Münzkauf für Anleger durchaus seine Berechtigung. Jede Münze hatte schließlich eine 625er-Silberlegierung, 62,5 Prozent von ihr bestanden somit aus Silber. "Der Silbergehalt der Olympia-Münzen war für heutige Verhältnisse sehr hoch", sagt Andreas Patschinski vom Kölner Münzhändler und Auktionshaus Knopek.

Kommentare zu " Sachwert oder Notgroschen?: Das Geheimnis der Olympia-Münzen"

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  • Wieso blöd ? Meinst du irgend ein Händler zahlt dir den vollen Börsenpreis? Die Schmelze nimmt auch Gebühren und will verdienen. Also die Händler-Ankaufspreise liegen derzeit zwischen 5,20 und 5,50 Euro ! Also nichts mit Blöd du "Schlauer".

  • Also wenn der bei mir "der Grünspan an den Münzen nagt", dann würde ich mir Gedanken machen, was mir da angedreht wurde.

  • Bei der nächsten Olympiade wird die Ausgabewährung wieder DM sein!

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