Saudi-Arabien ist bereit, noch mehr Öl zu fördern
Lage am Rohölmarkt entspannt sich vorübergehend

Der Preis für das europäische Brentöl hat vorübergehend nachgegeben. Für kurze Zeit rutschten die Brentölnotierungen sogar um rund einen Dollar unter 35 Dollar je Barrel, konnten dieses Niveau aber nicht behaupten. Zum Handelsschluss wurde für einen Barrel wieder 35,72 Dollar gezahlt.

rp DÜSSELDORF. Ein Barrel entspricht knapp 159 Litern. Trotz des Preisrückgangs – noch Anfang Juni kostete Brentöl fast 40 Dollar – bleiben Experten skeptisch, ob die niedrigeren Preise an den Rohölmärkten von Dauer sein werden.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte die Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) die Ausweitung der Ölförderung auf 25,5 Mill. Barrel am Tag beschlossen. Darüber hinaus war – je nach Marktlage – eine weitere Erhöhung der Produktion um 500 000 Barrel ab August in Aussicht gestellt worden. Zusammen mit höheren Ölvorräten in den USA hatte dies die Preise sowohl in Europa als auch in den USA (WTI-Öl) fallen lassen.

Saudi-Arabien hat gestern zudem die Bereitschaft signalisiert, die Ölförderung noch weiter zu erhöhen. „Wir sind bereits bei 9,1 Mill. Barrel täglich im Juni“, sagte ein Vertreter der saudiarabischen Ölindustrie der Nachrichtenagentur Reuters. „Bis jetzt gibt es keine unerfüllte Nachfrage. Aber sollte der Markt mehr Öl benötigen, sind wir bereit, es zu liefern.“ Saudi-Arabien, der weltweit größte Exporteur, kann bis zu 10,5 Mill. Barrel Öl pro Tag fördern.

„Es gibt eine ganz Reihe von Gründen, warum der langfristige Trend beim Ölpreis entgegen der zunächst gesehenen Reaktion des Marktes verlaufen sollte“, heißt es etwa bei CDC Ixis in Paris. Die Experten weisen daraufhin, dass das Problem nicht ein „Mangel an Angebot“ sei. Die Gründe für den Preisanstieg lägen woanders. Dazu zähle vor allem die steigende Nachfrage in Asien. Ein Risikoaufschlag resultiere aber auch aus den zunehmenden Angriffen sowohl auf die ausländischen Ölarbeiter wie auf die Ölinfrastruktur in Saudi-Arabien und im Irak. Darüber hinaus sieht CDC Ixis einen „logistischen Engpass“ etwa durch Raffinerien und fehlende doppelwandige Öltanker. Die Experten schätzen daher die Möglichkeit für einen neuerlichen Preisanstieg höher ein als die eines baldigen Rückgangs.

Ähnlich äußert sich die Deutsche Bank. Der kurzfristige Rückgang beim Ölpreis sollte „nicht überbewertet werden“, schreiben die Experten in ihrem Marktausblick. Denn die „Raffinerie-Engpässe in den USA sowie die politischen Unsicherheiten in wichtigen Opec-Ländern“ seien nach wie vor nicht gelöst. Dies seien aber wichtige Ursachen für den Anstieg des Rohölpreises gewesen.

Stephen L. Jen von Morgan Stanley zweifelt hingegen daran, dass die Märkte die Bekanntgabe der Opec „ernst genug“ genommen haben. Die Märkte hätten den Kontakt zu dem „fairen Preis für Öl“ verloren. Mit einem signifikanten Anstieg des Angebots könnte laut Jen der Preis bis auf 30 Dollar je Barrel oder sogar darunter fallen.

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