Saudi-Arabien taktiert mit seinen Fördermengen
Öl-Gipfel sucht Rezept gegen Petroschocks

Die Öl-Mächte reisen nach Dschidda, um den Markt zu beruhigen. Doch mehr als symbolische Schritte sind nicht zu erwarten. Inzwischen rechnet die Wirtschaft mit Preisen jenseits von 150 Dollar. Analysten mahnen jedoch zur Besonnenheit.

DÜSSELDORF. Dieser Ölpreis wird selbst den größten Förderländern unheimlich. "Dieses Niveau ist nicht mehr normal", klagt Saudi-Arabiens König Abdullah. Kuwaits Finanzminister Mustafa al Shimali sieht "einen vernünftigen Ölpreis bei rund 100 Dollar" - und nicht bei 140 oder gar 200 Dollar. Um etwas Ruhe in die aufgeheizte Energiedebatte zu bringen hat Saudi Arabien die Führung an sich gezogen, verspricht Erhöhungen seiner Fördermengen an und lädt zu einem Krisengipfel in den königlichen Palast in Dschidda.

An diesem Sonntag werden sich westliche Regierungschefs, Spitzenvertreter der Ölkonzerne und Investmentbanker mit den mächtigen Lieferanten am Roten Meer an einen Tisch setzen. Allerdings ist das ganze Treffen nur auf fünf Stunden angesetzt - und mehr als symbolische Schritte sind nicht zu erwarten.

Zwar gibt es Berichte, dass Saudi-Arabien eine weitere Ausweitung der Fördermenge bekannt geben könnte. Nach dem heftigen Ausschlag der Ölpreis auf knapp 140 Dollar je Fass vor einer Woche hatte Saudi-Arabien bereits angekündigt, bis zu 300 000 Barrel pro Tag zusätzlich bereit zu stellen. Doch die Wirkung verpuffte, der Ölpreis hält sich über 130 Dollar. Nun meldet unter anderem das Fachmagazins "Middle East Economic Survey", Saudi Arabien wolle seine Förderung auf täglich rund 10 Mill. Barrel steigern.

Doch auch dahinter verberge sich keine zusätzliche Erhöhung der Fördermenge, warnen Experten. Tatsächlich gibt es über Saudi Arabiens Fördervolumen und seine zusätzlichen Kapazitäten keine verlässliche Daten. Konsens besteht nur, dass die aktuelle Fördermenge bei 9,45 Mill. Barrel. liegt. Zudem kann das wichtigste Opec-Mitglied als einzige Land weltweit seine Förderung vergleichsweise einfach erhöhen - um bis zu zwei Mill. Barrel pro Tag. Doch die jetzt ins Spiel gebracht Aufstockung um rund 500 000 Barrel entspricht ziemlich genau der Kapazität des Feldes Khursaniyah-Feldes. Den Förderbeginn dieses Feldes mit einer Anfangskapazität von 300 000 Barrel pro Tag hatte König Abdullah bereits beim Besuch von George W. Bush im Mai angekündigt - und ist im Markt längst bekannt. Wenn die Förderung erst einmal auf Touren kommt könnte das neue Feld 500 000 Barrel pro Tag bringen - und damit genau die zusätzliche Kapazität stellen, die die Saudis jetzt ins Feld führen.

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