Saudischer Ölminister Al-Naimi: Wenn ein paar Worte für einen Crash reichen

Saudischer Ölminister Al-Naimi
Wenn ein paar Worte für einen Crash reichen

Auf der Energiekonferenz in Houston sprach der saudi-arabische Ölminister Ali Al-Naimi nur für kurze Zeit. Ein paar Sätze reichten aber, um Ölpreis und Börsen kräftig abstürzen zu lassen.

HoustonDer Ölminister von Saudi-Arabien spricht nur selten in der Öffentlichkeit. Als Ali Al-Naimi am Dienstag auf der IHS Ceraweek in Houston eine Rede hielt, hörte sich seine Botschaft erst einmal recht friedlich an. Sein Land, der größte Ölexporteur der Welt und wichtigstes Mitglied der Opec, wolle entgegen Medienberichten „keinen Krieg mit US-Produzenten anzetteln“.

Dann aber war es vorbei mit der Freundlichkeit. Die lange hohen Ölpreise von mehr als 100 Dollar das Fass hätten viele Produzenten hervorgebracht, die auf unkonventionelle Weise fördern – sei es aus der Tiefsee oder aus Schieferstein per Fracking. Die Anbieter mit den höchsten Kosten müssten jetzt den Markt verlassen.

„Das hört sich hart an, ist aber die effizienteste Methode, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bekommen“, sagte Al-Naimi. Insgesamt habe Saudi-Arabien kein „einziges Projekt gestoppt“, sagte der Minister. „Wir produzieren mit voller Kapazität.“

Das traf den Markt hart. Investoren hatten auf eine Kürzung der Produktion gehofft. Das amerikanische Öl WTI fiel um fast fünf Prozent und riss den Dax und die Wall Street mit nach unten. 

Angesprochen auf den „Freeze“, das Einfrieren der Förderung, reagierte Al-Naimi vage. Zuvor hatte sich Saudi-Arabien mit Nicht-Mitgliedern der Opec wie Russland oder Katar auf einen Stopp geeinigt. Ob denn auch andere Länder im Nahen Osten mitmachen würden? „Die Länder setzten ihren gesunden Menschenverstand ein“, sagte Al-Naimi, „aber nicht alle.“

Namen wollte er keine nennen, aber auf der gleichen Konferenz bezeichnete der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh die Idee, die Mengen einzufrieren, als „lächerlich“. Sein Land, das seit 1960 der Opec angehört, fördere nur ein Zehntel dessen, was andere Länder produzierten. Wer in der Situation eine Einschränkung fordere, trage „unrealistische Erwartungen“ an den Iran heran. Erst vor wenigen Wochen wurden Sanktionen gegen das Land aufgehoben, das jetzt möglichst viel exportieren möchte.

Die Wall Street schloss, gemessen am Aktienindex S&P 500, mit mehr als einem Prozent im Minus. Besonders hart traf es neben den Ölwerten die Banken. Ausschlaggebend dafür war auch, dass JP Morgan auf einem Investorentag bekannt gab, die Reserven für faule Kredite im Energiesektor seien um eine halbe Milliarde Dollar erhöht worden, nachdem sie zuvor schon bei gut 800 Millionen gelegen hatten.

Sollte der Ölpreis über die nächsten 18 Monaten bei rund 25 Dollar je Barrel verharren, wären weitere 1,5 Milliarden an Reserven fällig, sagte Marianne Laker, die Finanzchefin der Bank. Sie geht allerdings nicht von einem dauerhaft so niedrigen Preis aus, und sie betonte, die Ausfälle im Energiebereich hätten bisher nicht auf andere Branchen übergegriffen.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York
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