Schlechte Ernte
Weizenpreis steigt stark an

Nach dem Anstieg der Milch- und Butterpreise müssen sich die Verbraucher auch auf höhere Brotpreise einstellen. An den Rohstoffbörsen kostet Weizen inzwischen so viel wie noch nie zuvor. Die Preise werden durch schlechte Ernten, aber auch durch erste Panikkäufe an den Weltwarenmärkten nach oben getrieben.

LONDON. Alex Waugh, Generaldirektor des britischen Mehlmühlenverbands, hat bereits vor Preissteigerungen bei Brot und anderen Backwaren gewarnt. Er befindet sich dabei in guter Gesellschaft. Denn auch Italiens Pastahersteller haben schon eine zwanzigprozentige Preissteigerung angekündigt. Frankreichs „boulangers“ wollen sich dagegen vorläufig noch mit fünf bis sieben Prozent mehr für ihr Baguette begnügen.

Die Spekulanten an den Getreidemärkten reiben sich derweil die Hände. Jene, die zum richtigen Zeitpunkt bei Weizen eingestiegen sind, haben ihren Einsatz binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. An der CBOT in Chicago notierte der Dezemberkontrakt zwischenzeitlich mit über 7,80 Cents je Scheffel (35,2 Liter) auf einem Rekordhoch. Seit August 2006 ist der Kurs um 120 Prozent gestiegen. Seit dem Jahr 2000 hat er sich sogar verdreifacht. Der Euronext.Liffe Kontrakt für Brotweizen hat mit über 250 Euro je Tonne den höchsten Stand seit seiner Einführung 1998 erreicht.

„So etwas habe ich seit 30 Jahren an diesem Markt nicht erlebt“, sagte ein Londoner Getreidehändler. Der Run auf das Nahrungsgut hatte sich noch einmal beschleunigt, als Kanada am 23. August warnte, dass seine diesjährige Ernte wegen einer geringeren Anbaufläche und extremer Trockenheit um etwa ein Fünftel hinter dem Niveau von 2006 zurückbleiben werde. Statt 19 Millionen würden damit nur noch 15 Millionen Tonnen für den Export bereitstehen, errechnete der Handel. Kanada ist nach den USA der zweitgrößte Weizenexporteur der Welt.

Ernteeinbußen werden in praktisch allen wichtigen Anbauregionen der Welt erwartet. Grund dafür sind Wetterschäden, etwa durch Frost, wie im Frühjahr in den USA, schwere Regenfälle in Europa im Juni oder dürreähnliche Verhältnisse in Australien.

Die Ukraine, die Nummer sieben im Weizenexportgeschäft, kündigte erst in der vergangenen Woche an, dass in diesem Jahr 58 Prozent weniger Getreide für den Export zur Verfügung stehen werden als 2006 – das Ergebnis einer fast dreimonatigen Dürre. Das wird vor allem das Angebot von Futterweizen am Weltmarkt treffen, warnen die Experten der Londoner Economist Intelligence Unit, EIU.

Der Internationale Getreiderat IGC in London hat die Zahlen aufaddiert. Danach wird die Welt-Weizenernte 2006/07 mit 591 Mill. Tonnen um fast 30 Mill. Tonnen hinter der Vorjahresernte zurückbleiben. Und selbst die erwartete Erholung auf schätzungsweise 607 Mill. Tonnen im Erntejahr 2007/08 werde die rapide schrumpfenden Vorräte weltweit weiter auf 111 Mill. Tonnen und damit den niedrigsten Stand seit 1979/80 sinken lassen.

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