Schuldenkrise: Sorgen um Irland belasten Euro

Schuldenkrise
Sorgen um Irland belasten Euro

Wenige Tage vor einer Emission irischer Anleihen sind die Risikoaufschläge für die Papiere der Inselrepublik auf ein Rekordhoch gestiegen. Was kostet die Rekapitalisierung irischer Banken, fragen die Anleger. Das belastet auch den Euro.
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HB FRANKFURT. Zweifel der Anleger an der Finanzkraft Irlands haben am Freitag für Kursausschläge an den europäischen Devisen- und Anleihemärkten gesorgt. Der Euro bröckelte auf 1,3061 Dollar ab, nachdem er zuvor zeitweise auf ein Fünf-Wochen-Hoch von 1,3159 Dollar gestiegen war.

Gleichzeitig kletterten die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen auf ein Rekordhoch. Auch die Kosten für die Versicherung von Krediten der Inselrepublik gegen Zahlungsausfall zogen kräftig an.

„Es kursieren zahlreiche Gerüchte rund um Irland“, sagte ein Börsianer. Eingetrübt werde die Stimmung unter anderem von einem Bericht im „Irish Independent“. Das Blatt zitierte aus einer Studie von Barclay Capital, wonach das hoch verschuldete Land bald den Internationalen Währungsfonds (IWF) im Hilfe bitten muss. Eine Sprecherin des irischen Finanzministeriums wies die Spekulationen als unbegründet zurück. Der IWF teilte mit, er rechne nicht damit, dass Irland Finanzhilfen benötigen werde.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte Händlern zufolge die für kommenden Dienstag geplante Emission von Staatsanleihen. Das Volumen sei mit insgesamt 1,5 Mrd. Euro recht hoch, hieß es.

Vor diesem Hintergrund stieg der Spread für zehnjährige irische Staatstitel im Vergleich zur entsprechenden Bundesanleihe auf 400 Basispunkte. Dies ist der höchste Wert seit Einführung des Euro. Gleichzeitig zogen die Kosten für die Versicherung eines zehn Mio. Euro schweren Kredites nach Angaben des Datenanbieters Markit um 38 000 auf 425 000 Euro an.

Die Risikoaufschläge für Papiere des ebenfalls hoch verschuldeten Portugal kletterten parallel dazu auf 368 Basispunkte. Die Credit Default Swaps (CDS) des südeuropäischen Staates zogen um 20 auf 375 Basispunkte an. Damit kostete die Ausfall-Versicherung für einen Zehn-Millionen-Euro-Kredit 375 000 Euro.

Angesichts dieser Unsicherheitsfaktoren griffen Anleger verstärkt zu den als sicher geltenden Bundespapieren. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stieg um bis zu 83 Ticks auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 130,21 Punkten. Einen leichten Zusatzschub erhielt der Terminkontrakt von der geringer als erwartet ausgefallenen US-Teuerung. Die Kernrate der US-Verbraucherpreise stagnierte den Angaben zufolge im August. Auch der US-T-Bond-Future zog als Reaktion auf die Zahlen weiter an auf bis zu 132 10/32 Zähler. „Inflationserwartungen sollten durch die Daten nicht nach oben getrieben werden“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Ebenso wenig verstärken die Zahlen aber etwaige deflationäre Sorgen.“ Euro/Dollar-Fixings Aktuell 16.09.

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