Schulterschluss in Wien
Fragiler Ölpreisanstieg

Das Ölkartell Opec hat sich mit Nicht-Mitgliedsstaaten geeinigt, weniger Öl zu produzieren. Das soll die Preise zugunsten der Produzenten stabilisieren. Der Beschluss ist historisch – doch wird er auch umgesetzt?
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FrankfurtWas für Mario Draghi die „Whatever-it-takes“-Rede war, könnten für Saudi-Arabien die Worte seines Ölministers vom vergangenen Samstag sein: „Ich kann ihnen mit absoluter Sicherheit sagen, dass wir ab 1. Januar unsere Produktion kürzen, und zwar wesentlich, sodass wir letztlich unter dem Niveau liegen, auf das wir uns am 30. November festgelegt hatten“, sagte Khalid Al-Falih Reportern in Wien. Vorausgegangen war eine historische Einigung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) mit elf Nicht-Mitgliedsstaaten.

Bereits am 30. November hatte die Opec erstmals seit acht Jahren beschlossen, weniger Öl zu fördern – so will das Kartell ab 2017 für ein halbes Jahr seine Tagesförderung um 1,2 Millionen Barrel (à 159 Liter) auf 32,5 Milliarden Fass reduzieren. Am Wochenende erklärten sich nun auch elf Nicht-Mitglieder bereit, ihre Förderung täglich um insgesamt 558.000 Barrel zu reduzieren. produzieren. Der wichtigste Nicht-Opec-Partner ist zweifelsohne Russland, der derzeit größte Ölproduzent der Welt. Zudem beteiligten sich Staaten wie Mexiko, Oman, Malaysia und eine Reihe kleinerer Förderer an dem Deal. Das Abkommen gilt ab Januar zunächst für ein halbes Jahr und hat die Option, um weitere sechs Monate verlängert zu werden.

Werden beide Maßnahmen wie versprochen umgesetzt, würde dies das Überangebot am Ölmarkt in ein Angebotsdefizit verwandeln. Diese Aussicht lässt die Preise am Montag kräftig steigen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montagmorgen zeitweise um sieben Prozent auf knapp 58 Dollar.

Die Produzenten feiern ihren Beschluss, an dem sie seit mehr als einem Jahr gearbeitet haben, wie Russlands Energieminister Alexander Nowak berichtet. Sowohl er als auch die Opec werden nicht müde zu betonen, dass es sich um freiwillige Einschränkungen handle. Habe man bei vergangenen Kürzungen einige Staaten noch regelrecht zu einer Einigung zwingen müssen, sei dies heute anders, erklärt Emmanuel Ibe Kachikwu dem US-Fernsehsender CNBC. „Jeder realisiert, dass wir dies jetzt tun müssen. Es geht um das Überleben der Wirtschaft von einem Großteil der Opec-Staaten sowie Nicht-Opec-Ölförder-Staaten“, sagte Kachikwu. Er wünscht sich einen Preis von 60 Dollar je Barrel.

Während die Investoren am Ölmarkt schon im vorauseilenden Gehorsam agieren, bleiben trotz aller Euphorie noch einige Fallstricke. Allen voran ist klar: Ein Beschluss ist noch keine Umsetzung. Analysten bleiben skeptisch. Jene der Commerzbank neigen nahezu zum Zynismus, indem sie fragen: „Historischer Beschluss oder historischer Bluff?“

Kommentare zu " Schulterschluss in Wien: Fragiler Ölpreisanstieg"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    TRAUTMANN

    Danke

  • Genau, historisch nicht, aber histerisch!

    Scheixx Kartelle ...

  • Was soll an dem Beschluss historisch sein????

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