Schwache Tendenz
Dem Euro droht ein Zwei-Jahres-Tief

Der Euro nimmt Kurs auf ein Zwei-Jahres-Tief - trotz aller Rettungsversuche gilt die Gemeinschaftswährung weiter als angeschlagen. Wenig hilfreich ist da das Urteil der Verfassungsrichter, das erst im Herbst kommen wird.
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FrankfurtFür den Euro könnte es einen heißen Sommer geben. Denn bis Mitte September wird die Euro-Zone auf die Entscheidung der Karlsruher Richter über die deutsche Verfassungsmäßigkeit des ESM-Rettungsfonds und des Fiskalpakts warten. „Der Euro bleibt unter Druck. Nicht einmal nennenswerte technische Erholungen greifen Raum“, erklärte Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Der Euro pendelte am Montag in einer Spanne von 1,2180 bis 1,2225 Dollar. Damit gab er die Gewinne vom späten US-Geschäft wieder weitgehend ab, als er bei 1,2250 Dollar gelegen hatte.

Angesichts der rechtlichen Lage in Deutschland sei die schwache Tendenz verständlich, erklärte Hellmeyer. „Im Endspielmodus um die Euro-Zone ruft das Bundesverfassungsgericht ein 'Timeout' mit sicherlich ungewollt negativen Implikationen für die Euro-Zone aus.“ Das oberste deutsche Gericht hatte am Montag ein Urteil für den 12. September angekündigt. Einige Politiker - darunter Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker - hatten das Gericht zuletzt zur Eile gemahnt. Juncker hatte dem „Spiegel“ erklärt, es sei nicht hilfreich, wenn sich das Gericht bis zum Herbst Zeit lasse.

„Die Unsicherheit am Markt ist sehr hoch, da man nicht weiß, wie das Gericht letztlich entscheiden wird“, fasst ein Händler zusammen. „Sofern das Bundesverfassungsgericht gegen den ESM & Co entscheidet, können wir wenigstens behaupten, dass die Euro-Zone nach deutschem Recht verfassungskonform unterging“, warnte Hellmeyer.

In dieser Woche dürfte zunächst aber auch die US-Konjunktur wieder stärker in den Fokus rücken. So wird am Dienstag und Mittwoch der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, vor den zuständigen Ausschüssen von Senat und Repräsentantenhaus Rede und Antwort stehen müssen. „Würde Bernanke die Tür für ein weiteres Anleihekaufprogramm (QE3) öffnen, könnte das den Dollar belasten und so dem Euro eine kleine Verschnaufpause bescheren“, erklärte Commerzbank-Devisenanalystin Thu-Lan Nguyen. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass bei schwachen US-Daten die Anleger ihre Risikopositionen wieder herunterfahren. Dies würde dann den Euro belasten, obwohl ein weiteres Lockern der US-Geldpolitik normalerweise als Dollar negativ gelten würde. „Das könnte sich durchaus die Waage halten“, erklärte ein Händler.

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