Schwächer war nur der Zimbabwe-Dollar
Niedriger Zins belastet schwedische Krone

Trotz guter wirtschaftlicher Konjunkturdaten hat die schwedische Krone gegenüber dem Euro den niedrigsten Wert seit über drei Jahren erreicht und liegt auch im Vergleich zum Dollar auf einem Zweijahrestief.

STOCKHOLM. Allein in diesem Jahr sank die Krone gegenüber dem Euro um sieben Prozent, gegenüber dem Dollar sogar um mehr als 20 Prozent. Schlechter als die schwedische Währung hat sich seit Januar nur der Zimbabwe-Dollar entwickelt.

Es gebe für die Schwächung der Krone keine schlüssige Erklärung, der Kursverlust sei „überraschend“, sagte Schwedens stellvertretende Zentralbankchefin Irma Rosenberg Ende vergangener Woche. Tatsächlich zeigt sich Schwedens Wirtschaft bereits seit geraumer Zeit von ihrer starken Seite: Die Inflation liegt bei gerade einmal 0,5 Prozent. Selbst die hohen Energiepreise haben die Inflation nicht nach oben getrieben, da billige Bekleidung aus China und ein harter Wettbewerb der schwedischen Lebensmittelketten für einen Ausgleich sorgten. Und mit einem Wachstum von erwarteten 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr nimmt das Land in Europa ebenfalls einen guten Platz ein.

„Die Krone ist eindeutig unterbewertet“, sagt denn auch Markus Hallberg, Devisenexperte bei Nordea Markets in Stockholm. Der Analyst rechnet allerdings kurzfristig mit dem Risiko einer weiteren Schwächung der schwedischen Währung und rät deshalb derzeit von einem Kronen-Investment ab. Auf drei Monate gesehen prognostiziert er allerdings bereits eine leichte Stärkung der Krone gegenüber dem Euro und geht von 9,40 Kronen für einen Euro aus. Gestern mussten 9,61 Kronen für einen Euro gezahlt werden.

Wer langfristig denkt, kann sich nach Meinung von Hallberg und vieler seiner Kollegen allerdings über eine gute Rendite freuen: Nordea geht auf Ein-Jahres-Sicht von einem Kronen/Euro-Kurs von 9,00 Kronen aus.

Für die chronische Schwäche der schwedischen Krone trotz sehr guter Rahmenbedingungen gibt es mehrere Erklärungen: „Der wichtigste Grund ist das Agieren der Zentralbank in Stockholm“, meint Hallberg und verweist auf die niedrigen Leitzinsen. Mit 1,5 Prozent liegt Schweden, das damals nicht dem Euro beitreten wollte, einen halben Prozentpunkt unter den Leitzinsen von zwei Prozent in der Euro-Zone. „Die großen schwedischen Exportunternehmen wechseln ihre Einnahmen nicht zurück in Kronen, weil sie im Ausland bessere Zinsen bekommen“, erklärt Hallberg. Auch Robert Bergqvist von der SEB in Stockholm ist sich sicher, dass große Exportkonzerne, allen voran der Telekomausrüster Ericsson, auf großen Dollarreserven sitzen, die sie im Ausland parken statt nach Schweden zu holen.

Welche weit reichenden Konsequenzen der Fall der Krone für Schweden hat, zeigte sich am vergangenen Freitag als die nationale Schuldenbehörde, das Pendant zur Deutschen Finanzagentur, erklärte, sie würde wegen der schwachen Währung die Tilgung der Auslandsschulden von 50 Mrd. auf 30 Mrd. Kronen reduzieren. Damit sollten Kursverluste vermieden werden. Der Schritt führte zu einer kurzfristigen Stärkung der Krone, doch bereits zu Beginn dieser Woche setzte sich die Talfahrt fort.

Wie lange das noch weitergeht, hängt nach Meinung aller Experten von der Zinspolitik der Zentralbank ab. Erst wenn der Leitzins wieder angehoben wird, dürfte sich der Druck auf die Krone abschwächen. Noch gibt es keine Zeichen für ein Anziehen der Zügel. Wichtige Sitzungen der Notenbank finden allerdings im Februar, April und Juni des kommenden Jahres statt. Bis dahin müssen sich Anleger noch in Geduld üben.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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