Schwächere Weltkonjunktur
Der Markt für Basismetalle kühlt ab

Fachleute gehen bei einer Abschwächung der Weltwirtschaft von sinkenden Preisen aus.

HB FRANKFURT. Der Markt für Buntmetalle hat in den vergangenen fünf Jahren einen starken Preisaufschwung erlebt. Der LMEX-Buntmetallindex der London Metal Exchange ist seit dem Tief im Oktober 2001 vor allem deshalb um zeitweise mehr als 300 Prozent in die Höhe geschossen, weil die politische und ökonomische Blüte der Volksrepublik China einen Nachfrageboom bei Kupfer, Aluminium, Nickel, Zinn, Zink und Blei ausgelöst hat. Die Metallhausse ist ein Beweis dafür, dass Metalle der zyklischste Teilbereich der Rohstoffmärkte sind. Demgemäß sensibel reagieren die Preise auf Veränderungen in der Industrieproduktion.

In dieser Erkenntnis ist auch der Grund dafür zu suchen, dass Fachleute eine Beruhigung der Lage an den Metallmärkten erwarten. Die meisten Ökonomen sagen für 2007 eine Verlangsamung des Aufschwungs der Weltwirtschaft voraus. Einige Querdenker sprechen bereits von einer drohenden Rezession in den USA. Für die gesamte asiatische Region - wichtigster Abnehmer von Rohstoffen - rechnet Jürgen Michels, Chefvolkswirt Deutschland bei der Citigroup, für 2007 mit einer leichten Abschwächung des Bruttoinlandsprodukts auf 7,6 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt der USA - die mit Abstand größte Industrienation der Welt - dürfte im kommenden Jahr noch immer um 3,2 Prozent (nach 3,5 Prozent in diesem Jahr) zulegen. Bei der Beurteilung der Rohstoffmärkte gelte es zu berücksichtigen, dass sich die Preise inflationsbereinigt weiter auf niedrigem Niveau bewegen, sagen sowohl Simon von Oppenheim vom Hedge-Fonds Attica Alternative Investments Limited in London als auch Christian Hefti, Leiter des Bereichs Wealth Management Research bei der UBS in Deutschland.

Die Metallmärkte dürften in den kommenden Quartalen eine sehr volatile Preisentwicklung verzeichnen, sagen andere Experten mit Hinweis auf teils kurzfristige Engagements spekulativer Anleger wie Hedge- und Rohstoff-Fonds. Dies war zuletzt bereits festzustellen, als der Zweijahres-Terminkontrakt für Kupfer am 23. Mai bei 3,01 Dollar/lb (1 lb. entspricht rund 454 Gramm) ein zyklisches Hoch verzeichnete und anschließend um 25 Prozent fiel. "Die Metallpreise können durchaus mehrere zig Prozent zurückfallen", sagt Simon von Oppenheim. Grund: Zuletzt sei in die Metallmärkte viel Liquidität risikoorientierter Marktteilnehmer geflossen. Komme es zu einem Abzug der Gelder, seien starke Preisrückgänge zu befürchten.

Auch andere Fachleute sind für die nahe Zukunft der Metallmärkte eher zurückhaltend gestimmt. Eine Umfrage bei fünfzehn führenden Rohstoff-Analysten zeigt für 2006 eine Seitwärtsbewegung der Metallpreise auf hohem Niveau, doch für 2007 eine kräftige Abschwächung. So soll der Kupferpreis von durchschnittlich 2,85 Dollar/lb in diesem auf 2,37 Dollar/lb im kommenden Jahr fallen. Für Aluminium wird ein Rückgang von 112,5 Cents/lb auf 99,5 Cents/lb erwartet und für Nickel - das zuletzt "heißeste Metall" - ein Rückgang von 770 Cents/lb auf 675 Cents/lb.

Jim Lennon, Analyst bei Macquarie, betont das Risiko solcher Prognosen: "Die Knappheit an Geräten, Ersatzteilen und qualifiziertem Personal sowie Streiks könnten zu Lieferunterbrechungen führen." Zudem dürfe nicht vergessen werden, dass immer mehr Politiker in den Schwellenländern einen größeren Teil des Kuchens vom Gewinn der internationalen Rohstoffunternehmen haben wollten, sagt Thomas Utter von der Uni in Darmstadt.

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