Schwächeres Wachstum nimmt Druck von Notenbank: Analysten sehen in Kanada stabile Zinsen

Schwächeres Wachstum nimmt Druck von Notenbank
Analysten sehen in Kanada stabile Zinsen

Während in den USA ein weiterer Anstieg der Leitzinsen erwartet wird, gehen Analysten in Kanada davon aus, dass die Bank of Canada den Zinssatz vorerst stabil bei 2,5 Prozent halten wird.

OTTAWA. Bestärkt wird diese Einschätzung durch die am Montag veröffentlichten Zahlen über das Wirtschaftswachstum: Kanadas Volkswirtschaft expandierte im vierten Quartal nur um 1,7 Prozent. Damit erreichte das Land im Jahr 2004 ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent.

Die Notenbank wird am Dienstag morgen (Ortszeit) in Ottawa ihren Zinsbeschluss bekannt geben. Analysten sehen den Tagesgeldsatz (overnight rate), der seit dem 19. Oktober 2004 unverändert bei 2,5 Prozent liegt, weiter auf diesem Niveau. „Von der Bank of Canada wird bis zum dritten Quartal keine Veränderung kommen“, meinte Ted Carmichael, Senior-Ökonom bei J.P. Morgan Canada, am Montag unmittelbar nach Bekanntgabe der Wachstumszahlen. „Wir müssen erst ein stärkeres Wirtschaftswachstum sehen. Wir sehen den Trend optimistisch, aber es wird eine Weile dauern.“ Aron Gampel von der Bank of Nova Scotia sieht die Bank of Canada ebenfalls in einer abwartenden Position. Da sein Institut bei den Wachstumsprognosen für 2005 mit 2,5 Prozent am unteren Ende der Erwartungen liegt, schließt er im Gegensatz zur Mehrzahl der Analysten eine Zinssenkung gegen Jahresende nicht aus.

Die Wachstumsrate von 2,8 Prozent liegt über der von 2003 mit zwei Prozent. Allerdings schwächte sich der Aufwärtstrend in der zweiten Jahreshälfte bereits ab. Gegenüber dem dritten Quartal expandierte Kanadas Wirtschaft zu Jahresende nur um 0,4 Prozent – das ist der schwächste Wert des Jahres. Im zweiten und dritten Quartal war noch ein Plus von 1,1 beziehungsweise 0,7 Prozent verzeichnet worden. Bemerkenswert: Der private Konsum blieb stark, während der Export erneut nachließ.

Nach Einschätzung des Statistikamtes belastete besonders die Schwäche des US-Dollars gegenüber der eigenen Währung den Export. Der kanadische Dollar hat in den Jahren 2003 und 2004 rund 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar zugelegt. Er wurde am Montagmorgen mit 81,37 US-Cents gehandelt, das ist ein halber Cent mehr als die Schlussnotierung vom Freitag.

Die kanadische Regierung hat mit der Vorlage des Haushaltsplans 2005/2006 in der vergangenen Woche entschieden, die bisherige Obergrenze des ausländischen Anteils an Fonds zur Altersvorsorge von 30 Prozent aufzuheben. Dies öffnet kanadischen Pensionsfonds die Tür, in stärkerem Maße Geld auf Märkten außerhalb Kanadas anzulegen. Analysten glauben, dass dies einen „dämpfenden Effekt“ auf den kanadischen Dollar haben oder zumindest den Aufwertungsdruck auf den kanadischen Dollar abschwächen werde. Allerdings wird angesichts der günstigen Entwicklung kanadischer Geldanlagen kein spontaner und starker Abfluss von Geld, sondern allenfalls eine graduelle Diversifizierung erwartet.

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