Schweiz schafft Mindestkurs ab: Feste Kopplung adé – Franken schickt Euro in den Keller

Schweiz schafft Mindestkurs ab
Feste Kopplung adé – Franken schickt Euro in den Keller

Seit drei Jahren verteidigte die Notenbank der Schweiz den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro. Jetzt die überraschende Kehrtwende: Der Mindestkurs wird aufgehoben. Der Franken wertet drastisch auf.
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ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) scheint vor den Devisenmärkten zu kapitulieren: Vollkommen überraschend hat sie die Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro angekündigt. Um die Flucht in den Franken weniger attraktiv zu machen, senkt sie die Negativzinsen um 0,5 Punkte auf 0,75 Prozent.

Der Frankenkurs reagierte sofort und legte zeitweise um mehr als 35 Prozent zu, stabilisierte sich dann aber bei 0,97 Euro (plus 17 Prozent – hier geht es zum aktuellen Chart). Das Vorgehen der SNB erwischte die Anleger auf dem falschen Fuß. Fast panikhaft verlassen sie die Märkte: Der Dax rauschte zuletzt satte 1,7 Prozent ins Minus auf 9637 Punkte. Zuvor notierte er noch 1,3 Prozent im Positiven. Auch der Euro musste Verluste hinnehmen. Er rutschte unter die Marke von 1,17 Dollar. Zuletzt lag die europäische Gemeinschaftswährung ein Prozent im Minus bei 1,1677 Dollar.

Auch die Schweizer Börse krachte um mehr als zwölf Prozent nach unten. Der Swiss Market Index (SMI), der die 20 liquidesten Titel umfasst, fiel unter die Marke von 8000 Punkten. Zu den größten Verlierern mit einem zweistelligen Minus zählten unter anderem die Aktien des Uhrenherstellers Swatch, des Luxusgüterherstellers Richemont und des Zeitarbeit-Unternehmens Adecco.

„Das ist eine Kapitulation“, sagte Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär, zur Entscheidung der SNB. „Die Notenbank musste seit Jahresbeginn offenbar ständig intervenieren, das wurde ihr vermutlich zu teuer.“ Für Acket wirkt der Schritt aber unüberlegt. „Ich hätte zunächst den Negativzins weiter gesenkt, bevor ich die Kursgrenze aufhebe.“

„Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert“, teilte die Notenbank mit. „Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen.“ Ferner seien die Unterschiede in der Geldpolitik in den bedeutenden Währungsräumen stark gestiegen. So bereitet die US-Notenbank FED die erste Leitzins-Erhöhung langsam vor. Die EZB dagegen will die monetären Bedingungen weiter lockern und massiv Staatsanleihen kaufen, um die langfristigen Zinsen zu drücken.

Daher hatte der Dollar stark aufgewertet, der Euro sich aber abgewertet. „Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind“, so die SNB.

Die Begründung der Aufhebung mit dem Verweis auf den stärkeren Dollar überzeuge ihn zudem nicht, sagte Julius-Bär-Chefökonom Acket. Zumal der Dollar sich nach der Aufhebung der Kursgrenze zum Franken ebenfalls stark abgewertet hat – und die von der SNB zur Begründung herangezogene Dollar-Stärkung somit hinfällig geworden ist.

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Diesen Schritt hatte niemand vorgeschlagen

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  • Die deutsche Industrie wird von der Schweizer Aufwertung kurzfristig erheblich profitieren. Deutschland sollte sich jedoch den Fall der Schweiz genau anschauen. Sobald der schwache Euro der deutschen Wirtschaft keine Schützenhilfe mehr gibt (weil z.B. eine Reihe von Defizitländern aus der Eurozone ausscheiden und dadurch eine Aufwertung des Rest-Euro einsetzt), ist sie genau in der Schweizer Situation. Im Falle Deutschlands würde das Verhalten aber von den Partnerländern viel kritischer beobachtet werden, weil Deutschland viel größer ist. Die USA und andere Länder würden es wohl nicht einfach hinnehmen, wenn Deutschland oder eine Rest-Eurozone eine Aufwertung via Intervention am Devisenmarkt verhindert, weil sie das als offenen Protektionismus und als Beweis für Merkantilismus ansehen würden und mit eigenen protektionistischen Maßnahmen antworteten.

    Überschussländer kommen früher oder später immer in große Schwierigkeiten, einfach weil ihre unabdingbaren Partner, die Defizitländer, in Schwierigkeiten geraten. Wer sich nicht schrittweise anpasst, muss mit gewaltigen wirtschaftlichen Eruptionen rechnen, die auch riesige politische Verwerfungen nach sich ziehen können. Aber das wird in Deutschland natürlich ganz anders gesehen.

  • An solchen Interventionen ist für eine Notenbank aber nichts teuer. Sie verwandelt bei ihren Interventionen – bei denen sie mit Schweizer Franken Euros am Devisenmarkt kauft, um den Kurs des Euro zu stärken – von ihr generierte Franken (man kann auch gedruckte Franken sagen) in Euros, die sie dann in europäischen Wertpapieren anlegt. Die Kosten der Aktion liegen ganz nahe bei null, das Risiko ebenfalls, denn das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Ausfall der Europapiere. Letzteres würde zwar die Bilanz der Notenbank eine Weile unschön aussehen lassen, weil sie Verluste verbuchen müsste, aber das ist nur Bilanzmechanik. Da der Kauf dieser Papiere die Notenbank de facto nichts gekostet hat – sie hat ja mit Geld bezahlt, das aus dem Nichts geschaffen wurde –, ist selbst der Totalausfall belanglos. Wenn ich etwas verliere, für das ich nichts bezahlt habe, habe ich auch nichts verloren, was mich in meiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigen würde. Quell Flassbeck Economics. NDS

  • Lieber arbeitslos als unbezahlte Sklavenarbeit für den Rest der Welt! Glaubst Du, die dt. "Export-Überschüsse" werden irgendwann mal mit Waren, Gold oder harter Währung (=sfr!) beglichen werden?

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