Schweiz und der Euro
Für immer 1,20 Franken je Euro?

Sie klebt und klebt und klebt – die Schweizer Währung schafft es kaum mehr, sich von der Kurs-Grenze von 1,20 Franken je Euro zu lösen. Nun ist eine Debatte über den Sinn dieser Koppelung an den Euro entbrannt.
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ZürichEigentlich könnten die Schweizer zufrieden sein: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist mit gut drei Prozent kein großes Thema – und die Schweizerische Nationalbank (SNB) schafft es bisher, den Franken nicht über die von ihr proklamierte Kurs-Grenze von 1,20 Franken je Euro aufwerten zu lassen. Damit hat sie quasi der Schweizer Exportindustrie einen Schutzschirm aufgespannt. Denn rund 60 Prozent der Schweizer Exporte werden in Europa verkauft.

Seit mehr als drei Jahren schon verteidigt die Notenbank diese Kursgrenze. Das lässt aber die Bilanz der Notenbank immer größer werden. Die Devisen-Reserven sind mittlerweile auf 500 Milliarden Franken angeschwollen. Da die Notenbank ihre Euro-Käufe in einem zweiten Schritt in Anleihen und Aktien investiert und diese Anlagen über andere Währungen wie dem Dollar streut, verdiente sie 2014 mit den gigantischen Devisenreserven die Rekordsumme von 38 Milliarden Franken.

Die Sache wird den Schweizern nun langsam mulmig. Denn durch die aufgeblähte Bilanz könnte die Notenbank auch einmal genauso gut abgrundtiefe Verluste einfahren. Schon kleinste Änderungen von Dollar- oder Anleihen-Kursen schlagen sich in riesigen Summen in den Gewinnzahlen nieder. Der in der Schweiz einflussreiche Ökonom Ernst Baltensperger hat daher nun in der „NZZ am Sonntag“ eine neue Debatte um die Kursgrenze entfacht.

Sein Vorschlag: Statt allein an den schwächelnden Euro, solle die Schweizer Notenbank den Franken an einen Währungskorb aus Dollar und Franken anbinden. Dies, so Baltensperber, würde der Schweizerischen Nationalbank ermöglichen, die Euro-Fixierung zu lockern, „ohne den Franken international übermäßig attraktiv zu machen.

Baltenspergers Wort hat Gewicht: Der emeritierte Wirtschaftsprofessor war einst Doktor-Vater von Thomas Jordan. Und der ist heute Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Jordan und die SNB haben sich bisher nicht öffentlich zu dem Vorschlag geäußert. Doch dieser löste in den Medien eine breite Debatte darüber aus, ob die SNB mit ihrer Kursgrenze von 1,20 Franken je Euro noch auf dem richtigen Weg ist.

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Währungskorb statt Euro-Fixierung

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  • Kurzfristig Vollbeschäftigung und sozialen Frieden im eigenen Land durch Devisenmarktinterventionen zu erkaufen ist ein zweischneidiges Schwert. Langfristig führt das zu neuen "Griechenländern" mit allen sozialen Folgen dort, und Unzufriedenheit im eigenen Land über entsprechende Hilfsmassnahmen. Völkerverständigung geht anders.

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  • Korb ist ja schön und gut, hilft jedoch nicht, den Euro zu stabilisieren, jedenfalls nicht ausreichend.

    Die Schweiz sorgt seit Jahren dafür, daß der Euro nicht unter einen US-$ abschmiert, also der Franken zu stark wird und den Export schwer behindert.

    Ohne die Schweiz wäre der Euro vermutlich nicht mehr existent.

    Sie ist der größte Gläubiger im Euro und besitzt die weltweit höchsten Reserven an Euro - leider für die Schweiz, die damit abhängig wird und für Deutschland, das immer noch an diesem Unheil des Euro hängt.

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