Schweizer Franken und Euro: Der Alptraum der „Finanz-Wettanbieter“

Schweizer Franken und Euro
Der Alptraum der „Finanz-Wettanbieter“

Die Schweizer Nationalbank hat einen „Tsunami“ am Währungsmarkt ausgelöst. Die Auswirkungen treffen Banken, Kreditnehmer und Unternehmer. Bestraft werden aber vor allem die hochriskanten Wetten mancher Broker.
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New York„Ich hoffe, alle sind OK nach dem Shitstorm von gestern“, twitterte Craig Erlam am Freitag. „Ich weiß, dass ich noch unter Schock stehe.“ Erlam war zu dem Zeitpunkt noch Marktanalyst beim britischen Finanz-Wettanbieter Alpari UK. Jetzt ist die Firma insolvent. Schuld soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) sein, die mit einer unerwarteten Entscheidung einen Währungsschock auslöste.

Jahrelang hatte die SNB den Franken mit einer Bindung an den Euro von einem zu starken Aufwerten abgehalten, um den sicheren Anlagehafen Schweiz vor der Überflutung durch die internationale Geldschwemme zu schützen.

Am Donnerstag gaben die Währungshüter den Kurs völlig überraschend frei - und erwischten Spekulanten auf dem falschen Fuß. Am Freitag kostete der Franken fast einen Euro, rund ein Fünftel mehr als lange Zeit zuvor. Der Chef des Uhrenkonzerns Swatch, Nick Hayek, hatte die Franken-Freigabe einen „Tsunami“ genannt.

Die SNB habe sich als „Amateur“ gezeigt, kommentierte Erlam. „Eine Menge Leute werden erheblich darunter leiden.“ Die Firma meldete Insolvenz an. Die Mehrheit der Kunden habe Verluste erlitten, die ihr Einlagenkapital überstiegen. „Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht.“

Alpari UK ist eine von diversen Firmen einer Branche, in der die Grenzen zwischen Finanzanlage und Kasino verschwimmen. Wer die Bundesliga oder die englische Premier League verfolgt, kennt sie von der Banden- und Trikotwerbung: CMC Markets, IG Markets (Slogan: „Lebe jeden Trade“), FXpro oder Alpari - sogenannte Online-Broker, die im Internet gegen Gebühren Finanzwetten für jedermann anbieten.

Das Geschäftsmodell beruht auf Kunden mit ausgeprägtem Hang zur Zockerei. Bei den Online-Brokern können sie mit wenig Geld und einem Vielfachen ihres Einsatzes spekulieren. Der „Hebel“ lässt es bei manchem Anbieter zu, mit einem Euro, Dollar oder Pfund mehr als die hundertfache Summe einzusetzen. Das lässt die Gewinne massiv steigen - aber auch die Verluste.

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