Schwellenländer-Währungen: Spekulanten „riechen Blut“

Schwellenländer-Währungen
Spekulanten „riechen Blut“

Schwellenländer stemmen sich gegen den Absturz ihrer Währungen. Doch Spekulanten lassen nicht locker. Daten vom Terminmarkt zeigen, auf wen es die Märkte abgesehen haben. Ein Teufelskreis droht.
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New YorkDie Schwellenländer haben mit dem schlimmsten Absturz ihrer Währungen seit 2008 zu kämpfen. Um ihre Währungen zu stützen, greifen die jeweiligen Notenbanken auf Währungsreserven zurück. Doch damit machen sie sich erst Recht angreifbar. Spekulanten attackieren besonders jene Länder, deren Reserven schnell dahin schmelzen.

Ein Blick auf den Handel mit Optionen am Terminmarkt zeigt, dass Händler am stärksten beim argentinischen Peso, der türkischen Lira, der indonesischen Rupiah und dem südafrikanischen Rand auf Abwertung wetten. Für die ukrainische Hrywnja signalisiert der Terminmarkt einen Kursverlust von 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Diese Länder haben gemeinsam, dass sie nur über geringe Währungsreserven verfügen oder bereits einen großen Teil davon ausgegeben haben.

„Wenn man so schnell seine Devisenreserven verbrät, dann ist das bedrohlich, und natürlich riecht der Devisenmarkt dann Blut“, sagte Robbert Van Batenburg, Direktor Marktstrategie bei der Handelsfirma Newedge Group in New York. „Das führt dann zu diesem Dominoeffekt.“

Von Argentinien bis zur Türkei sind Schwellenländer derzeit in Bedrängnis. Seit die US-Notenbank ihre monetären Stimuli zurückfährt und berichtet wurde, dass sich die chinesische Konjunktur abkühlt, haben die Sorgen um die Stärke der Schwellenländer-Volkswirtschaften zugenommen.

Mit dem erfolglosen Versuch, ihre Währung zu verteidigen, hat die Türkei seit Juni schon 27 Prozent ihrer Fremdwährungsreserven aufgebraucht. Am Montag verfügte sie nur noch über 34 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro) ohne Einlagen der Geschäftsbanken. Das reicht gerade einmal, um 0,29 Prozent der kurzfristigen Schulden abzudecken, die geringste Quote unter den 14 Schwellenländern, die von Goldman Sachs beobachtet werden. Der Lira-Kurs sackte im Januar auf ein Rekordtief von 2,39 Lira je Dollar ab.

Südafrika verfügt über 46 Milliarden Dollar, was 13 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt entspricht. Nach Angaben der US-Bank braucht das Land 18 Prozent, um sein Handelsdefizit und seine Schulden zu finanzieren. Der Rand fiel unter sein Fünf-Jahres-Tief von 11,3909 Rand je Dollar.

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  • „ ...zur Beruhigung der Lage“, nicht nur in den Schwellenländern:
    Ein Reset im Finanzbetrugssystem, ein Trennbankensystem, die Geldschöpfung zurück in staatliche Hände und in Europa die Wiedereinführung der Landeswährungen. Damit könnte man sofort Wohlstand auf der ganzen Welt schaffen, bis in die hintersten Winkel des Amazonas.

    Im BIZ-Qartalsbericht Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf über 600 Billionen $ absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen in Schattenbanken ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren.

    Bernanke hat den Banken, auch den Zentralbanken, seit 2008 über 30 Billionen $ geliehen, um den Kollaps des Finanzbetrugssystems nochmals hinauszuschieben. Europas Bankster erhielten von den stupid Steuerzahlern allein im Zeitraum Okt. 2008 – Okt. 2010 4589 Milliarden Euro, um den Kollaps noch a bissl rauszuschieben.

    So lange das Spielcasino immer wieder und immer wieder mit fast zinslosem Steuergeld gefüttert wird, genau so lange wird das Elend auf diesem Planeten immer weiter voranschreiten. Die Verursacher und Profiteure aller Krisen und Kriege sind immer die selben!!!

    „Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken“.
    Johannes Rau (*16.01.1931-†27.01.2006), ehem. Bundespräsident

    Albert Einstein: „Die Welt ist nicht gefährlich wegen denen, die Böses tun, sondern wegen denen, die tatenlos dabei zusehen“. Was will Albert uns damit sagen?

  • Die Türkei, insbesondere Erdogan und seine korrupten Gefolgsleute, hat/haben vom Immobilien-Boom profitiert. Gleichzeitig flossen verdeckte Hilfszahlungen aus dem Ausland (F. Gülen Organisation, S. Arabien und Katar etc.), um eine Reislamisierung nach dem Vorbild des Osmanischen Reiches einzuleiten. Auch der auf Pump (zahllose Kreditkarten) finanzierte Binnenkonsum hat zum Wachstum geführt. Eine solide Wirtschaftsbasis sieht anders aus. Außerdem ist Erdogan mit dem Anspruch angetreten nicht wie die Vorgänger Regierungen am Stuhl festzuhalten. Die Tierwelt hat uns gelehrt: Wenn der Löwe alt wird, wird er von den Affen gebumst.

  • Die Geschichte ist doch immer wieder die Gleiche. Geld, oder besser eine landeseigene Währung, ist immer nur so viel wert wie das jeweilige Land auf der anderen Seite Werte schafft.
    Wenn diese Schwellenländer, begünstigt durch die Kapitalflut seitens der Zentralbanken der großen Industrieländer, von diesen sich Geld leihen, dieses aber nicht zur Werteschaffung (Produkte, Infrastruktur und Dienstleistungen) sondern nur für den Konsum von Gütern aus den Industrieländern (Autos, Handys etc.) benutzen so hebt dies zwar kurzfristig ihren Lebensstandart, längerfristig bekommen sie aber natürlich ein Problem.
    1) Weil sie durch den Fehlenden Export eigener Produkte keine Fremddevisen herein holen.
    2) Weil es ihnen immer unmöglicher wird die Schulden zurück zu zahlen.
    Spekulanten sind keine allmächtigen Verbrecher, sie erkennen nur die Defizite und Verfehlungen einzelner Länder und profitieren davon.
    Interessant ist nur dass die seitens der Zentralbanken zur Verfügung gestellten Mittel in der jüngeren Vergangenheit eben nicht, zur Förderung, in die eigene lokale Wirtschaft (bedingt durch zu niedrige Zinsen) geflossen sind sonder eben für den Konsum in besagte Schwellenländer.

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