Schwenk der Wissenschaftler
Angst vor Dollar-Crash schwindet

Amerikas Notenbank und führende Ökonomen vollziehen eine Kehrtwende und erklären das Defizit in der US-Leistungsbilanz für unbedenklich.

FRANKFURT. In den USA nehmen die Sorgen vor einem Kurssturz des Dollars ab. In Europa hingegen wird das Defizit weiter kritisch gesehen. Schließlich galt die Lücke zwischen Im- und Exporten in den USA bis vor kurzem noch als möglicher Auslöser eines Dollar-Crashs.

Noch in ihrem jüngsten Monatsbericht erklärte die Europäische Zentralbank (EZB). „Die auf globaler Ebene fortbestehenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte stellen weiterhin ein beträchtliches Risiko für die Weltwirtschaft dar.“ Und bis vor kurzem hatte die EZB die meisten Ökonomen hinter sich gehabt. Sie wiesen in Studien nach, dass enorme Dollar-Kursverluste nötig wären, um die US-Leistungsbilanz wieder auszugleichen.

Doch seit gut einem Jahr ist das Pendel in der Wissenschaft gänzlich in die Gegenrichtung ausgeschlagen, so dass der neue US-Notenbankchef Ben Bernanke nun der EZB entgegenhält: „Ich sehe keinen Grund, warum der ganze Prozess (des Abbaus der Ungleichgewichte) nicht glatt verlaufen sollte.“

Eine ganze Reihe von in den USA verfassten wissenschaftlichen Studien kommt plötzlich zu dem Ergebnis, dass das Defizit in der US-Leistungsbilanz gar kein so großes Problem ist, obwohl es bis zum vierten Quartal 2005 nochmals dramatisch auf einen neuen Rekordwert von 7,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwoll. Das Defizit resultiert hauptsächlich daraus, dass die USA über die Hälfte mehr importieren, als sie exportieren.

Das Defizit lasse die Auslandsverschuldung anschwellen und könne in diesem Maße nicht auf Dauer fortbestehen, lautet die traditionelle Sicht. Damit es zurückgehe, müsse der Dollar kräftig abwerten und müssten die USA ihren Konsum drosseln, so dass der Importsog nachlasse. Je größer der Korrekturbedarf werde, desto größer werde die Gefahr eines Dollar-Crashs und einer Rezession. Auch wenn sie dies selten offen sagen, machen die Europäer die hohe Konsumneigung und das hohe Staatsdefizit der Amerikaner für das Problem verantwortlich.

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