Sehs Fragen an Christof Rühl
„Die Preise werden sich erholen“

Christof Rühl ist Chefökonom der BP-Gruppe in London. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, was der starke Preisrückgang beim Öl für Unternehmen bedeutet und wie groß die Gefahr ist, dass der Ölpreis bald wieder in die Höhe schnellt.

Der Ölpreis schwankt um die Marke von 50 Dollar. Was bedeutet der starke Preisrückgang für die Unternehmen?

Kurzfristig für manchen natürlich Gewinneinbußen. Für andere das Zurechtstutzen von Investitionsprojekten, aber das trifft im Moment nur diejenigen, die einerseits zu optimistisch geplant haben und andererseits jetzt den Ölpreis für lange Zeit auf gegenwärtigem Niveau vorhersagen. Und dann gibt es im Verbund mit der Kreditkrise natürlich Unternehmen, die teuer Projekte extern finanziert haben und bei der Refinanzierung ins Schlingern geraten.

Die Suche nach neuen Vorkommen gerät ins Stocken? Drohen damit in der globalen Ölversorgung auf absehbare Zeit Kapazitätsengpässe?



Nein, so schnell geht das nicht. Im Moment sieht es eher so aus als sei das Angebot außerhalb der Opec - Förderländer auf heutigem Niveau festgeschrieben, was ja schon seit etlichen Jahren der Fall ist. Lässt man Opec und die Manipulation des Angebotes aus dieser Ecke einmal außen vor (die ja nichts mit Explorationsausgaben zu tun hat), wird die erste Gegenreaktion sein dass die Nachfrage steigt, sobald sich die Weltwirtschaft erholt hat. Dies könnte geschehen ohne dass sich auf der Angebotsseite Wesentliches getan hat - sicher nichts Positives, da haben Sie Recht. Mittel- bis langfristig führt das zu steigenden Preisen - wie gesagt, sobald sich die Ölnachfrage erholt hat, die momentan von dem Konjunktureinbruch nach unten gezogen wird.



Der Löwenanteil der Investitionen muss von staatlichen Unternehmen geleistet werden. Wie können die Internationalen Unternehmen dabei helfen?

Muss? Müssen muss nichts. Es steht doch jedem frei, private Investoren ins Land zu lassen.

Die IEA warnt, dass der Ölpreis in ungeahnte Höhen springen kann, wenn zu viele Investitionen gekappt werden. Wie groß schätzen Sie diese Gefahr ein?

Die IEA ist eine Organisation der Ölverbraucherländer und klingt manchmal auch so, Katastrophenwarnungen eingeschlossen. Wie schon erwähnt, dauert es eine Weile bis niedrigere Investitionen auf den Preis durchschlagen, wenn gleichzeitig die Nachfrage fällt, wie wir das heute sehen. Noch einmal: Die Preise werden sich erholen wenn Opec-Kürzungen das Angebot beschränken; und/oder wenn sich die Nachfrage erholt, weil sich das Weltwirtschaftswachstum erholt. Am wahrscheinlichsten ist dass wir eine Sequenz dieser beiden Ereignisse erleben. Logischerweise führt das dann auch zu einer Wiederaufnahme eventuell gekappter Investitionen.

Auch Raffinerie-Projekte werden auf Eis gelegt.

Im Raffineriebereich ist die Lage anders. Hier wurden in der Tat weltweit Überschusskapazitäten aufgebaut. Das Jahr 2009 wird die stärkste Zunahme der globalen Raffineriekapazitäten seit 30 Jahren sehen - und dies in einem Jahr, in dem die Nachfrage fällt. Da sieht es dann düster aus mit den Prognosen.

Selbst die Opec-Länder werden nicht verschont, die bei den hohen Ölpreisen gut verdient haben. Liegt es an der mangelnden Vorsorge?

Generell gesprochen, haben die Opec-Mitglieder viel besser gehaushaltet als in früheren Hochpreisphasen. Weniger elegant ausgedrückt, die meisten Opec-Mitglieder haben genug auf der hohen Kante, um nicht in Panik auszubrechen.

Die Fragen stellten Dirk Heilmann und Regine

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