Seltene Erden
China verknappt Rohstoffe der Zukunft

Technologiekonzerne benötigen Metalle wie Antimon oder Lithium für Produkte der Umwelt- und Militärtechnik. Das Reich der Mitte dominiert den Markt. Jetzt beschränken die Chinesen die Ausfuhr - und treiben damit die Preise nach oben.
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PEKING. China treibt die Preise an den Rohstoffmärkten. Das Reich der Mitte fragt immer mehr Rohstoffe nach. Im Falle einer zunehmend wichtigen Gruppe von Elementen ist China allerdings selbst der größte Produzent: strategische Metalle, die vor allem für Produkte der Umwelt- und Militärtechnik unentbehrlich sind. Dazu gehören etwa Antimon, Lithium oder sogenannte Seltene Erden. Während China diese Rohstoffe früher vergleichsweise billig abgegeben hat, drosselt es derzeit konsequent die Ausfuhr.

"Das Angebot trocknet aus, während der Verbrauch durch die Industrie weiterhin hoch bleibt", sagt Marktbeobachter Yang Xueling vom China Metal Information Network im Hinblick auf neue Exportkontrollen für das Spezialmetall Antimon. Analysten erwarten angesichts der politisch gewollten Schere zwischen Angebot und Nachfrage steigende Preise.

Computer, Elektroautos, Handys - ohne China läuft nichts

Das wirkt sich auch auf die Aktienkurse der Produzenten aus. Anteilsscheine des Antimon-Herstellers Chenzhou Mining sind im vergangenen Monat um 40 Prozent nach oben geschossen. China produziert 90 Prozent des globalen Bedarf an Antimon. Die Halbleiterindustrie benötigt die silbrig-graue Substanz zur Chipherstellung, sie findet zudem in Batterien Anwendung. Als echter Strategierohstoff hat Antimon auch einen militärischen Nutzen: Es erlaubt die Herstellung besonders harter Munition.

Ähnliche Profile haben auch die anderen strategischen Metalle. Lithium etwa ist der Grundstoff für die Batterien von Handys oder Elektroautos. Seine Produktion wird von China und südamerikanischen Ländern dominiert. Die 27 Metalle der Seltenen Erden kommen sogar zu 97 Prozent aus dem Reich der Mitte. Sie haben eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Lanthan kann als Supraleiter wirken, in dem Strom ohne Widerstand fließt. Neodym ist Bestandteil von Magneten, wie sie in Kopfhörern oder in Windgeneratoren stecken. Terbium ermöglicht Energiesparlampen.

Der Befehl zur Verknappung kommt in Chinas Hierarchie von ganz oben - von Premier Wen Jiabao, einem gelernten Geologen. "Anfang der 80er-Jahre haben wir die Seltenen Erden noch zum Preis von Salz verkauft", sagt Wen. "Doch eigentlich verdienen sie den Preis von Gold. Wir fangen gerade erst an, unsere selbstverständlichen Interessen zu wahren." Andere Länder haben den Wert der exotischen Elemente eher erkannt. Schon 1981 haben die USA begonnen, ihre Ausfuhr zu kontrollieren und dabei den Begriff "strategische Metalle" geprägt. Der hohe Anteil Chinas an der Weltproduktion liegt auch daran, dass Amerika eigene Bestände nicht abbaut, sondern für schwierige Zeiten aufhebt. Schließlich fahren ohne Seltene Erden keine Kampfpanzer, kein GPS zeigt dem Soldaten seine Position an.

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  • China lernt halt - wenn auch systembedingt langsam. Das ist gut und hilft den Funktionären dort mit der Zeit, zu beachten, daß man sich selbst schädigt, wenn man seine Möglichkeiten für sich behält. So werden etwa natürlich stets auf`s Neue Lagerstätten entdeckt - soeben in der Mongolei, die keineswegs zum traditionellen China gehört und auch nicht gehören will, jetzt erst recht nicht. Ersatzmaterial läßt sich finden und die Entwicklung bleibt nicht stehen. Also: ruhig blut.

    Aktuell wächst die Furcht, daß die stagnierende Weltwirtschaft alle Rohstoffnachfrage einschließlich der vorerwähnten zurückwirft. Die Preise fallen bereits. Meist folgt - nebenbei bemerkt - kurz darauf der Aktienmarkt.

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