Seltsamer Verlust
Kanada sucht das verschwundene Gold

In Kanada ist eine halbe Tonne Gold verschwunden - einfach so. Jetzt ermittelt die Polizei. Zeitungen spekulieren bereits über einen raffinierten Raub. Aber auch ein blöder Buchungsfehler wird nicht ausgeschlossen. Über die Hintergründe eines millionenschweren Verlustes.

OTTAWA. Wie eine uneinnehmbare Festung liegt Kanadas Münzprägeanstalt, die Royal Canadian Mint, auf der Anhöhe über dem Ottawa-Fluss. Ähnlich einem mittelalterlichen Schloss, mit Türmen und Zinnen, umgeben von einem Gitterzaun, eine der Hauptattraktionen Ottawas. In diesen Tagen streift neben Touristen auch die Bundespolizei durch das Haus. Sie sucht nach Gold im Wert von Millionen kanadischer Dollar, das in dem wuchtigen Bau einfach verloren gegangen ist.

Viele mögliche Gründe gebe es für den Schwund, sagt die Sprecherin der Royal Mint, Christine Aquino. Aber einleuchtend ist keiner so recht. Diebstahl wird nicht ausgeschlossen. Umso mehr, als sich die Hoffnung, dass hinter der Geschichte nur ein peinlicher Buchungsfehler steckt, jetzt zerschlagen hat. Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte and Touch hatten einen Bericht vorgelegt, der einen Rechenfehler ausschließt. Schon schlussfolgert die Tageszeitung "Ottawa Citizen", dass es einen "massiven Goldraub" gegeben haben könnte.

"Eines ist sicher: Touristen waren es nicht", lacht Celine Gautier aus Quebec, die die Münze besichtigt hat, "alles ist weggesperrt, ans Gold kommt niemand ran." Auch Chris Heddon aus Toronto rätselt: "Der echte Goldbarren im Souvenirladen liegt an einer Kette und ist bewacht." Nachdenklich fügt er hinzu: "Wenn man dreist genug ist ..."

Zumindest weiß man inzwischen, wie hoch der Schaden genau ist. 17 514,20 Feinunzen sind weg. Eine Unze sind 31 Gramm, macht zusammen rund 525 Kilogramm Gold. Das entspricht einem Gegenwert von 15,3 Mio. Can-Dollar (zehn Mio. Euro). Die Royal Mint, die auch Goldbestände für Investoren hält, beteuert, dass alle Bestände, die für Kunden aufbewahrt würden, noch da seien. Den Schaden trage allein die Münzanstalt. Außerdem sei noch gar nicht klar, ob tatsächlich physisches Gold verschwunden sei. Mehr will sie nicht sagen.

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