Sicherheit in der Krise
Der Franken wird zum Ersatz für die D-Mark

Die Euro-Krise treibt die Schweizer Währung nach oben. Doch nicht nur für Euro-Flüchtlinge ist der Franken attraktiv. Im vergangenen Monat hat die eidgenössische Währung gegenüber fast allen anderen wichtigen Währungen zugelegt. Die Schweizer Notenbank müsste bald die Zinsen erhöhen, fürchtet jedoch eine weitere Aufwertung.
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ZÜRICH. Was den Deutschen die D-Mark war, ist den Schweizern der Franken: Fluch und Segen zugleich. Die Schweizer Währung eilt mit einem Jahresendspurt von Rekord zu Rekord gegenüber dem Euro. Das ist zwar ein Vertrauensbeweis für den zuletzt arg gebeutelten Schweizer Finanzplatz. Aber zugleich macht es der eidgenössischen Exportindustrie und der Nationalbank das Leben schwer.

Auf weniger als 1,25 Franken ist der Wechselkurs zum Euro kurz vor Weihnachten gefallen. Erst die Drohung der eidgenössischen Notenbank, notfalls erneut in den Markt einzugreifen, hat den Aufstieg etwas gebremst. Zu Beginn des Jahres lag die Notierung aber noch bei 1,50 Franken. Der Euro hat somit mehr als 16 Prozent gegenüber der Nachbarwährung verloren. Erleichtert wurden die Wechselkursausschläge in den vergangenen Tagen durch das geringe Handelsvolumen.

"Die Investoren suchen nach einem sicheren Hafen. Der Franken ist so was wie eine Ersatz-D-Mark", sagt Adrian Schmidt, Währungsexperte bei der Londoner Großbank Lloyds TSB. Sollte sich die Euro-Krise im kommenden Jahr noch verschärfen, halten die Analysten der japanischen Großbank Tokyo-Misubishi in London auch einen weiteren Verfall der Gemeinschaftswährung auf 1,10 Franken für möglich. Gemessen an Fundamentaldaten wie der Kaufkraftparität ist der Euro im Vergleich zum Franken bereits um mehr als zehn Prozent unterbewertet und müsste etwa bei 1,40 Franken liegen.

Der Franken ist nicht nur für Euro-Flüchtlinge attraktiv. "Wer den Dollar, Euro, Yen oder das britische Pfund nicht mag, für den ist der Schweizer Franken die beste Alternative", sagte Geoffrey Yu, Währungsstratege bei der UBS in London. So hat die eidgenössische Währung gegenüber fast allen anderen wichtigen Währungen im vergangenen Monat zugelegt. Allerdings parken die meisten Investoren ihr Geld nur in kurzfristigen Geldmarktpapieren. Deren Volumen hat sich nach Angaben der Notenbank binnen Jahresfrist von drei auf 30 Milliarden Franken verzehnfacht. Wenn sich der Sturm in der Euro-Zone jedoch einmal gelegt hat, werden die renditehungrigen Anleger den sicheren Hafen vermutlich schnell wieder verlassen.

Der starke Franken bringt die Schweizer Nationalbank immer stärker in eine Zwickmühle. Nicht nur verlieren die Euro-Bestände massiv an Wert, die von den Notenbankern im Laufe des Jahres durch Interventionen angehäuft wurden. Nach neun Monaten beliefen sich die Wechselkursverluste auf 21 Milliarden Franken. Und noch immer lauten mehr als die Hälfte der Devisenbestände auf Euro. Zudem fällt es Notenbank-Chef Philipp Hildebrand zunehmend schwerer, seine geldpolitischen Ziele zu verfolgen.

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