Signale für Rezession
Abschwung der Rohstoffpreise hat auch negative Seiten

Die zuletzt deutlich schwächeren Rohstoffpreise sind Vorboten einer in den Industrieländern drohenden Rezession. Diesen Schluss ziehen Rohstoff-Analysten aus dem starken Wertverlust von 12,2 Prozent, den der CRB-Rohstoffindex seit seinem nominalen historischen Hoch von Anfang Juli innerhalb von nur vier Wochen erlitten hat.

FRANKFURT. Patricia Mohr, Rohstoff-Analystin der Scotiabank in Toronto, sieht die Ursache für die starke Preiskorrektur vor allem in der Auflösung von Hausse-Transaktionen, die zum Beispiel Hedge-Fonds und andere institutionelle Investoren in Erwartung weiter steigender Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten verstärkt aufgebaut hatten. Da sich das konjunkturelle Bild eingetrübt habe, seien diese Positionen jetzt geschlossen worden.

Vor dem Hintergrund der zuletzt pessimistischen Konjunkturprognosen bestehe an den Märkten die Furcht vor einer aufkommenden Rezession nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Die Volkswirtschaften in Europa könnten sich den negativen Einflüssen der US-Talfahrt wohl nicht entziehen, sagt Hans-Jürgen Klisch, geschäftsführender Direktor der US-Investmentbank Raymond James & Associates. Der Experte verweist in diesem Zusammenhang auch auf die tiefgreifenden Probleme der Automobilindustrie in diesen Regionen. Bekanntlich bewirken der Bau und die Nutzung von Automobilen eine starke Rohstoff-Nachfrage.

"Die aktuelle Schwäche der Rohstoffmärkte könnte darauf hindeuten, dass die Gefahren einer weltweiten Rezession unterschätzt werden", sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst der Commerzbank. Eine solche Rezession könne auch durch die über Jahre hinweg stark gestiegenen Rohstoffpreise induziert werden. Eine konjunkturelle Talfahrt dürfte, so die Befürchtung der Marktteilnehmer, zu einem Rückgang der Rohstoffnachfrage und in diesem Kontext zu weiter sinkenden Preisen führen. Auf absehbare Zeit sei mit einer geringeren Nachfrage zu rechnen, so dass die Rohstoffindizes in den kommenden zwölf Monaten um weitere 20 Prozent fallen dürften, prognostiziert Dina Cover von der TD Bank Financial Group in Toronto

Frank Schallenberger von der LBBW in Stuttgart teilt die These von schwachen Rohstoffpreisen als Rezessionssignal nicht. Es handele sich bei der aktuellen Abschwächung um eine "normale Korrektur im Haussetrend". Es sei zu bedenken, dass die Nachfrage bei einigen Rohstoffgruppen zu mehr als 50 Prozent aus den weiter boomenden Staaten in Asien komme, sagt er. In diesem Kontext weist Raymond-James-Experte Klisch allerdings auf die derzeit geringere Rohstoffnachfrage aus China hin. Dort seien im Vorfeld der Olympischen Spiele zahlreiche Fabrikanlagen stillgelegt oder mit geringerer Leistung aktiv. Dieser dämpfende Effekt dürfte jedoch nur kurzfristig wirken, denn auf mittlere Sicht sei eine steigende Rohstoffnachfrage Chinas zu erwarten.

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