Skepsis der Spekulanten
Versorgungsängste treiben den Kupferpreis

An der New Yorker Rohstoffbörse Comex setzen die Spekulanten auf einen fallenden Kupferpreis. Per Saldo überwiegt seit etwa vier Wochen die Nachfrage nach Verkaufskontrakten.

LONDON. Selbst die verbleibenden Haussisten fragen sich inzwischen, wie lange die Rally des Kupferpreises noch anhält.

In der vergangenen Woche hat der Preis für das rote Metall allerdings scheinbar mühelos die Marke von 7 000 Dollar je Tonne überschritten. Binnen Jahresfrist hat er sich damit mehr als verdoppelt. Für den jüngsten Kursanstieg sind ein bereits seit längerem andauernder Streik in dem großen mexikanischen Bergwerk La Caridad der Grupo Mexico und ein drohender Ausstand in der Falconbridge Lomas Bay Mine in Chile verantwortlich. Das schürt Versorgungsängste, da die weltweiten Vorräte an Kupfer inzwischen auf eine Reichweite von nur noch rund zwei Tagen zusammengeschmolzen sind. „Wir halten daher einen baldigen Rückschlag für unwahrscheinlich“, sagt Ingrid Sternby, Analystin bei Barclays Capital. Selbst wenn das Metall ein wenig nach unten korrigiere, würden die Verbraucher den Preis mit neuen Käufen wieder in die Höhe treiben.

Positive Konjunkturdaten stützen den Preis derzeit zusätzlich. Das US-Konsumentenvertrauen stieg zuletzt auf ein Vierjahreshoch, der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex gar auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Das sind auch gute Nachrichten für Kupfer-Investoren. Die Nachfrage nach Kupfer-Halbzeug in Europa soll in der ersten Jahreshälfte 2006 nach Schätzung von Thierry Centner, dem Präsidenten des europäischen Hüttenbetriebs Cumerio, um acht bis zehn Prozent wachsen.

Optimisten sehen selbst in dem Rückgang der chinesischen Kupfereinfuhren im März keinen Anlass zur Sorge. Das Land habe Schwierigkeiten, sich mit ausreichendem Material am Weltmarkt einzudecken, heißt es zur Beruhigung. „Die chronische Knappheit an Kupfer wird noch mindestens dieses Jahr lang andauern“, sagt Adam Rowley von Macquarie Research.

Der noch Ende März von der Londoner Economist Intelligence Unit, EIU, prognostizierten Wende am Kupfermarkt haftet bei der gegenwärtigen Stimmung der Hauch des Irrealen an. Unbeirrt sprechen die EIU-Experten jedoch von ersten Anzeichen, dass Kupfer durch andere Metalle substituiert wird. Bis Jahresschluss könnte der Preis ohne weiteres unter 4  000 Dollar je Tonne fallen. Und wenn sich die Weltwirtschaft 2007 erst richtig abkühle und gleichzeitig neue Bergbaukapazitäten auf den Markt träfen, würden auch die Vorräte wieder ansteigen.

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