Spekulant manipulierte
Ölpreis-Turbulenzen: „Eine Wette, die schief ging“

Wilde Spekulationen sind auf dem Ölmarkt nichts Neues, aber das war dann doch etwas zu viel: Ein einzelner Zocker soll den Ölpreis auf Rekordhoch getrieben haben. Es ist der neueste in einer Reihe vieler Skandale. Erst im Mai war ein Ölhändler wegen Trunkenheit suspendiert worden. Das Vertrauen in die Märkte nimmt Schaden.

FRANKFURT. Der Ölpreis spielt wieder einmal verrückt. Am Dienstagmorgen kletterte der Preis für ein Barrel der Sorte Brent innerhalb von zwei Stunden von 71 Dollar auf 73,50 Dollar, so hoch wie seit acht Monaten nicht mehr. Anschließend sackte der Preis wieder ab, bis auf 66 Dollar.

Jetzt kam heraus: Ein einzelner Zocker soll für die Turbulenzen verantwortlich sein. Zwischen zwei und vier Uhr wechselten an der Londoner Rohstoffbörse Kontrakte im Volumen von 16 Millionen Barrel den Besitzer - das 32-fache des üblichen Handelsvolumens. Um so viel zu fördern, braucht Saudi-Arabien zwei Tage.

Auslöser sollen große Aufträge aus dem Hause PVM Oil Associates aus London gewesen sein. Anschließend seien andere Spekulanten eingestiegen und hätten die Rally weiter angefeuert.

"Das Volumen schoss plötzlich in die Höhe und der Preis schwankte stark", sagt Stephen Schork, Branchenkenner und Chef der Schork aus den USA. "Diese Bewegung trug alle Anzeichen einer Wette, die schief gelaufen war."

Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, soll Steve Perkins, Händler bei PVM Oil Associates, die Kettenreaktion eigenmächtig ausgelöst haben. PVM bestätigte zwar den Namen nicht, wohl aber den Fall. Man habe die zuständige Kontrollbehörde über den Vorfall informiert. Der dabei entstandene Verlust belaufe sich auf zehn Millionen Dollar, teilte das Unternehmen mit. Selbst für einen der weltgrößten Händler von Öl-Derivaten wie PVM ist das keine kleine Summe. Etwa 70 Prozent des jährlichen Ertrags dürften damit dahin sein.

Viel schwerer wiegen aber die Folgen für den Weltmarkt. Das Vertrauen in die Märkte könnte ernormen Schaden nehmen. Die Ölhändler sorgten zuletzt immer wieder für Skandale. Firmen wie Aviation Oil aus Singapur, Sem Group Energy und der Hedge-Fonds Amaranth rutschten wegen Rohstoffwetten in die Pleite.

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