Spekulanten treiben die Notierungen
Ölpreis peilt 100 Dollar an

Der Rohölpreis steht kurz davor, die Schwelle von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) zu nehmen. Darin sind sich Experten ebenso einig, wie in der Einschätzung, dass die Preise überzogen sind und eine Korrektur ansteht.

LONDON/DÜSSELDORF. „Die 100-Dollar-Marke zieht kurzfristig orientierte Anleger massiv an; wir rechnen trotz schlechter fundamentaler Vorgaben in Kürze mit dreistelligen Notierungen“, kommentiert Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg die Entwicklung am Ölmarkt. Die US-Richtmarke WTI war Mitte vergangener Woche bis auf das Rekordhoch von 98,63 Dollar gestiegen. Auch Brentöl war mit bis zu 95,19 Dollar so teuer wie nie zuvor. Trotz des schweren Herbststurms, der Teile der norwegischen Öl- und Gasförderung lahmlegte, fiel Brentöl zuletzt auf knapp 91 Dollar zurück. Auch WTI lag unter 96 Dollar. Zur Entspannung trug bei, dass der Sturm weniger Schaden angerichtet hat als befürchtet und Brasilien vor seiner Atlantikküste ein riesiges Erdölvorkommen entdeckt hat.

„Der aktuelle Ölpreis von knapp 100 US-Dollar je Barrel ist in hohem Maße durch spekulative Elemente getrieben“, sagt Heinz-Jürgen Büchner von der IKB Deutsche Industriebank. Mit einer weltweit leichten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sollten sich die Übertreibungen aber auflösen; realistischer seien daher für 2008 Preise zwischen 60 und 80 Dollar. Doch sei im Fall einer Krisensituation sogar ein Preis von bis zu 120 Dollar denkbar, so Büchner.

Auch die Deka Bank rechnet damit, dass sich in den nächsten Monaten die fundamentalen Faktoren am Markt durchsetzen werden und „der Ölpreis stark nach unten korrigiert“ und in Richtung 70 bis 75 Dollar fällt. Wegen der Enge des Marktes gehe es dann aber wieder aufwärts. In einer Studie der Bank, die dem Handelsblatt vorliegt, begründen die Experten ihren Optimismus mit der Dollar-Schwäche. Diese führe dazu, dass Investoren verstärkt nach Absicherungsmöglichkeiten suchen. Davon profitiere Gold, aber auch Öl. Zum anderen habe die kräftige Zinssenkung der US-Notenbank bei den Investoren Konjunkturhoffnungen geweckt und so das Vertrauen in eine robuste Rohölnachfrage gestärkt.

Gemischt sehen die Deka-Strategen die Auswirkung eines Preises von 100 Dollar auf die Konjunktur. In den USA etwa habe die Ölintensität, die Rohölabhängigkeit des Wachstums, stark abgenommen; zudem griffen Mechanismen, die die Belastung auffangen. In der EU und in Deutschland sei hingegen die Kombination aus steigenden Ölpreisen und generell aufkeimenden Inflationsängsten kritisch und daher eine spürbare Wachstumsabschwächung nicht auszuschließen.

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