Spekulationen
Hedge-Fonds treiben den Kakaopreis

Die heißen Winde des "El Niño“- Wetterphänomens haben zu einem Rückgang der Ernte an der Elfenbeinküste sowie im benachbarten Ghana und Nigeria geführt. Für den deutlichen Anstieg des Kakaopreises in der letzten Zeit gibt es allerdings vor allem einen anderen Grund.

LONDON. An der New Yorker Warenbörse, Comex, halten Hedge- und Indexfonds inzwischen über ein Drittel der Kontrakte, die auf weitere Preissteigerungen bei Kakao setzen. Dabei hat der Preis des zu fast 40 Prozent aus der westafrikanischen Elfenbeinküste stammenden Rohstoffs mit über 1 915 Dollar je Tonne bereits den höchsten Stand seit Mai 2003 erreicht. Und nur ein Teil des Anstiegs ist Ausdruck der Dollarschwäche – auch der Pfundpreis in London hat deutlich angezogen.

„Für das am 30. September endende Wirtschaftsjahr 2006/2007 schließen wir ein Produktionsdefizit von 103 000 Tonnen nicht mehr aus“, warnte dieser Tage der Chef der Internationalen Kakaoorganisation (ICCO), Jan Vingerhoets. Neben der Elfenbeinküste sind nämlich auch die Ernten im benachbarten Ghana und Nigeria von den „heißen Winden“ des „El Niño“- Wetterphänomens betroffen, begründeten Marktbeobachter den Ernterückgang. Die vollen Auswirkungen des Wetterphänomens würden sich bis April zeigen.

So lange wollen die Spekulanten freilich nicht warten. Sie haben mit ihren Käufen von Terminkontrakten den Kakaopreis binnen Jahresfrist um 25 Prozent in die Höhe getrieben. Sie stützen sich dabei auf Schätzungen eines Produktionsdefizits von bis zu 250 000 Tonnen.

Selbst die konservative Londoner Economist Intelligence Unit (EIU) postulierte bereits zu Jahresbeginn für das Erntejahr 2006/07 eine Fehlmenge von 130 000 Tonnen. Das weltweite Kakaoaufkommen soll danach um fast fünf Prozent auf 33,38 Mill. Tonnen fallen.

Die Spekulanten an den Kakaomärkten in London und New York sind schon seit längerem an heftige Preisschwankungen gewöhnt. Diese waren jedoch hauptsächlich durch die bürgerkriegsähnlichen Zustände an der Elfenbeinküste seit 2002 verursacht worden.

Preissteigerungen versprechen sich die Haussiers inzwischen auch wegen der dafür günstigeren „fundamentals“ am Markt. So nehme der Kakao- und Schokoladenkonsum mit dem steigenden Wohlstand in vielen Ländern und Regionen wie Russland, dem übrigen Osteuropa, Asien, Brasilien und Argentinien deutlich zu.

Und selbst die USA bieten laut EIU „wegen der wachsenden Zahl von Teenagern“ neues Wachstumspotenzial. Generell beschleunige sich überdies in den „reifen Märkten“ der entwickelten Volkswirtschaften der Trend zum Konsum von „dunkler“ Schokolade. Und Bitterschokolade verlange einen wesentlich höheren Kakaoeinsatz als die bisher dominierende Milchschokolade.

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