Spekulative Dollarverkäufe zwingen asiatische Notenbanken zu immer neuen Interventionen
Aufwertungsdruck auf Yen, Baht und Won steigt

Asiens Währungen sind seit dem Treffen der G7-Finanzminister unter verstärkten Aufwertungsdruck geraten. Händlern zufolge widersetzen sich die Märkte seit Tagen den Bemühungen fernöstlicher Zentralbanken, die Wechselkurse weiter niedrig zu halten.

NEU DELHI. Spekulative Dollarverkäufe setzen derzeit Singapur- und Taiwan-Dollar, Südkoreas Won, Thailands Baht und Japans Yen deutlich unter Druck. Der Yen erreichte Mitte vergangener Woche ein neues Drei-Jahreshoch, der Singapur-Dollar markierte drei Tage in Folge neue Vier-Jahreshochs. Von Tokio bis Singapur versuchten Währungshüter mit Hilfe von Interventionen die Wechselkursgewinne zu begrenzen. Auch wenn die asiatischen Zentralbanker erwartungsgemäß diese Strategie beibehalten, dürften Asiens Währungen in diesem Jahr zumindest an einer mäßigen Aufwertung nicht vorbeikommen, glaubt die Mehrzahl der Analysten.

Unterdessen wächst auch der politische Druck auf die asiatischen Zentralbanken. Die Forderung von Finanzministern und Zentralbankern der G7-Länder in Boca Raton nach flexibleren Wechselkursen ist als Mahnung an die asiatische Region zu verstehen, ihre direkt oder indirekt an den Dollar gekoppelten Währungen steigen zu lassen. Auch Bundeswirtschaftsminister. Wolfgang Clement meinte: „Die Eurozone kann die Bürde der notwendigen Anpassung des Dollarkurses nicht alleine tragen, während Japans Zentralbank teilweise den Druck auf den Yen kompensiert.“ Auf ähnliche G7-Forderungen im vergangenen September reagierten Asiens Zentralbanken allerdings mit der größten Akkumulation von Devisenreserven aller Zeiten. Mit der Folge, dass viele Währungen in Fernost auf einer handelsgewichteten Basis 2003 sogar fielen. Im Schnitt liegen sie immer noch 15 % unter dem Niveau vor der Asienkrise und sind damit Analysten zufolge klar unterbewertet.

„Asien wird auch dieses Jahr keinen spürbaren Beitrag zu einer Anpassung der weltweiten Wechselkurse leisten,“ meint der Asienchefvolkswirt von UBS, Jonathan Anderson. Der Analyst sieht dennoch ein „günstigeres Umfeld“ für eine sanfte Aufwertung gegen den Dollar, vor allem in der ersten Jahreshälfte. Er erwartet, dass Asiens Währungen, inklusive Yen, in zwölf Monaten im Schnitt 4% mehr wert sind.

Der politische Druck des Westens läuft bis jetzt ins Leere, weil sich die Adressaten den schwarzen Peter gegenseitig zuschieben. Solange China den fest an den Dollar gekoppelten Renminbi nicht aufwertet, sperrt sich Japan aus Angst vor Wettbewerbsnachteilen gegen einen höheren Yen. Solange der Yen sich wiederum nicht bewegt, stemmen sich Südkorea, Taiwan und Singapur gegen eine Aufwertung.

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