Spekulative Käufe
Ölpreis erklimmt neue Rekordhöhe

Wegen anhaltender Sorgen vor Lieferengpässen im Winter sind die Ölpreise am Donnerstag in London auf neue Rekorde gestiegen. Die Aussicht auf einen Mangel an Heizöl und Kraftstoffen in den USA sorgte am Markt für spekulative Käufe.

HB LONDON. „Wir bewegen uns auf Neuland“, sagte David Thurtell von der Commonwealth Bank of Australia in Sydney. „Es gibt nicht viele Gründe, Öl zu verkaufen, aber eine Menge Gründe, es zu kaufen.“ Anders als bisher nahm die Reaktion des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen warnenden Tonfall an: Mit Energiepreisen auf dieser Höhe könne 2005 nur noch mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von vier Prozent statt wie bislang angenommen 4,3 Prozent gerechnet werden, sagte David Robinson, Vize-Direktor der Abteilung Research des IWF. Die Industriestaaten haben sich bislang optimistisch geäußert, dass die hohen Preise ihren Aufschwung nicht allzu sehr belasten.

Der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent kletterte im November-Terminhandel auf 48,52 Dollar, im Vergleich zum Vortag ein Plus von 53 Cent. Die Terminkontrakte für US-Leichtöl zur Lieferung im November wurden mit 52,50 Dollar um 48 Cent teurer gehandelt. Der Öl-Preis ist seit dem 1. Januar um etwa 60 Prozent gestiegen, unter anderem wegen der Unsicherheit im Irak und in Nigeria sowie der nur langsamen Wiederaufnahme der Förderung im Golf von Mexiko nach den jüngsten Hurrikans dort.

„Wir haben nicht genug Vorräte vor dem Winter, wenn die Nachfrage nach Öl typischerweise einen Höhepunkt erreicht“, sagte Tony Nunan von Mitsubishi in Tokio. In den USA sind die Lagerbestände für Heizöl in der Woche bis zum 1. Oktober um 1,2 Millionen auf 51,2 Millionen gefallen und die Gesamtvorräte sind nach am Mittwoch veröffentlichten Daten insgesamt sechs Prozent geringer. Auch die großen europäischen und asiatischen Importstaaten haben weniger als sonst um diese Jahreszeit üblich auf Lager.

Der IWF warnte davor, dass knappe Vorräte die Weltwirtschaft auf Jahre hinaus auf Besorgnis erregende Weise belasten könnten. Die IWF-Prognose vom 29. September eines weltweiten Wirtschaftswachstums von 4,3 Prozent im nächsten Jahr sei angesichts der Preisentwicklung bereits wieder hinfällig. „Ich mache mir Sorgen um die mittelfristige Perspektive, über die anhaltende Anfälligkeit der Ölpreise“, sagte Robinson. Lieferengpässe, niedrigere Lagerbestände und wenig Spielraum für eine Erhöhung der Förderung: „Wir können leicht in eine Situation geraten, in der wir auf Jahre hinaus auf dem Ölmarkt eine anhaltend geringe Überkapazität haben.“

Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) ist nach Angaben aus Kreisen des Kartells zu einer Erhöhung der Ölförderung bereit, um einem weiteren Preisanstieg entgegenzuwirken. „Die Opec ist besorgt wegen des hohen Ölpreises, und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, ihn zu reduzieren“, sagte ein führender Opec-Vetreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Dazu gehört eine Erhöhung der Produktion, wenn es sein muss.“ Das Kartell hat sein Fördervolumen bereits auf ein 25-Jahres-Hoch von mehr als 30 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Unter den elf Mitgliedstaaten verfügt nur Saudi-Arabien noch über freie Kapazitäten.

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