Spritpreise steigen wieder
Preisrutsch am Ölmarkt ist erst einmal vorbei

Seit Anfang Februar sind die Preise für Benzin und Diesel wieder gestiegen. Auch bei den Kosten für Heizöl geht es aufwärts. Grund: Die Preise für Rohöl erholen sich nach der Talfahrt der vergangenen Monate wieder.
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Hamburg/SingapurDie allerschönsten Zeiten für die Autofahrer waren kurz und sind schon wieder vorbei. Mitte Januar waren die Benzin- und Heizölpreise auf den Stand von 2009 zurückgefallen. Ein Liter Superbenzin kostete zeitweise kaum mehr als 1,20 Euro, Diesel unter 1,10 Euro je Liter. Seit Anfang Februar sind die Preise wieder gestiegen.

Für Superbenzin E10 müssen die Autofahrer wieder mehr als 1,30 Euro bezahlen und Dieselkraftstoff liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 1,20 Euro je Liter.

Ähnlich sieht es beim Heizöl aus. Von ihrem Tiefststand von 53 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. Mehrwertsteuer) vor vier Wochen gingen die Heizölpreise wieder rauf auf 64 Euro. Das sind allerdings immer noch fast 20 Euro weniger als vor einem Jahr.

Die beiden wichtigsten Faktoren, die in Deutschland die Endpreise für Ölprodukte bestimmen, entwickelten sich zuletzt gegen die Verbraucher. Die Ölpreise haben am Dienstag zugelegt. Eine Warnung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) vor Nachschub-Problemen hat Rohöl am Dienstag weiter verteuert. Der Terminkontrakt auf die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee zog um 1,2 Prozent auf 62,14 Dollar je Barrel an. Damit summiert sich das Plus der vergangenen Tage auf fast 15 Prozent.

Dem IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol zufolge hemmen die Vorstöße der Miliz Islamischer Staat (IS) die Investitionstätigkeit im Nahen Osten. Die könnte in den kommenden Jahren zu einem Angebotsengpass führen.

Analyst Daniel Ang von Phillip Futures bezeichnete die jüngsten Preissteigerungen allerdings als überzogen. Sie seien weder durch charttechnische noch durch fundamentale Gründe gedeckt. "Der Markt beäugt diese Rally immer argwöhnischer", warnte er. Dies zeigten die Daten der US-Derivatebörsenaufsicht CFTC, denen zufolge spekulativ orientierte Anleger ihre Wetten auf weiter steigenden Kurse wieder zurückführen.

Nach Einschätzung des Ölministers des Opec-Landes Katar, Mohammed Al-Sada, gibt es Hinweise auf eine Trendwende am Ölmarkt und die Aussicht auf weiter steigende Preise. Der Ölminister von Kuweit, Ali Al-Omair, sagte, dass das Angebot an Rohöl auf dem Weltmarkt geringer sei als bisher angenommen. Zuletzt hatte ein Rückgang der Ölbohrungen in den USA für eine deutliche Erholung der Ölpreise gesorgt.

Der Preisanstieg liegt bei rund 20 Prozent. Gleichzeitig schwächelt schon seit längerem der Euro. Inzwischen ist er nur noch 1,14 Dollar wert. Vor einem halben Jahr waren es noch 1,35 Dollar. Der schwache Euro macht das in Dollar gehandelte Rohöl ebenfalls teurer.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland vom Preisverfall beim Rohöl kräftig profitiert. Bei leicht rückläufigen Importen von 89,3 Millionen Tonnen (minus 1,4 Prozent) verringerte sich die Ölrechnung um 5,8 Milliarden auf 49,6 Milliarden Euro. Das heißt: Wirtschaft und Verbraucher wurden um fast sechs Milliarden Euro entlastet.

Die spannende Frage lautet nun: Wie geht es weiter? Die Expertenwelt zeigte sich selten so verunsichert und unklar in ihren Prognosen wie in diesen Tagen. Bankanalysten, Wirtschaftsforscher und Akteure auf den Märkten sehen sowohl Gründe für steigende wie auch für fallende Preise in diesem und den nächsten Jahren. Gut möglich scheint auch ein anhaltender Seitwärtstrend in den kommenden Monaten.

„Angebot wird mit der Nachfrage nicht Schritt halten“

Shell-Chef Ben van Beurden erwartet zum Beispiel in diesem Jahr eine wachsende Nachfrage nach Öl. „Aber bei den heutigen Preisen wird das Angebot mit der Nachfrage nicht Schritt halten“, sagte er in der vergangenen Woche. Vielleicht gehe das Angebot sogar zurück. „Energieunternehmen könnten einen Teil ihrer existierenden Produktion stilllegen und neue Projekte verschieben oder ganz aufgeben.“

Andererseits: Bleibe die Ölförderung in den USA hoch und das globale Wachstum schwach, könnten die Preise für eine längere Zeit niedrig bleiben. „Der Markt wird in diesem Jahr volatil bleiben.“

Für Maria van der Hoeven, Generalsekretärin der Internationalen Energie Agentur (IEA), ist sogar eine neue Epoche auf dem Ölmarkt angebrochen. „Das Schieferöl aus den USA hat die Spielregeln verändert“, sagte sie. „Es gab noch nie eine Situation wie heute.“

Dazu gehöre, dass die US-Förderung sich künftig flexibel der Nachfrage am Ölmarkt und den schwankenden Ölpreisen anpasse. Damit würden die USA quasi die Rolle des Opec-Landes Saudi-Arabien übernehmen, das bislang als „Swing Producer“ die Preise hochhielt. Das machen die Saudis nicht mehr; nun regiert der Markt.

Bei einem Ölpreis von weniger als 70 Dollar sind nach Einschätzung von Goldman Sachs nur ein Drittel aller Investitionen in neue Öl- und Gasfelder noch profitabel. Fast eine Billion Dollar seien „Zombie-Investments“, die sich nicht rechneten. Diese Angst treibt auch die großen Ölkonzerne um, die nach heftigen Gewinneinbrüchen allesamt ihre Investitionen zurückfahren.

Doch sie wissen, dass auf dem Ölmarkt ein langer Atem gefragt ist und die Nachfrage nach Öl in den nächsten beiden Jahrzehnten immer noch wachsen wird. „Shell bleibt auch 2015 ein großer Investor, mit einem starken Fokus auf den Kosten“, sagte Vorstandschef van Beurden. „Und wir werden gewiss fortfahren, in Forschung und Entwicklung zu investieren.“


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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