Sprudelnde Gewinne
Norwegen: Ölfonds für die Zukunftssicherung

Die großen Ölkonzerne und auch die Länder, die einen Großteil ihres Reichtums den Fördereinnahmen verdanken, profitieren vom anhaltend hohen Ölpreis. Nicht immer investieren sie ihre Dollar in nachhaltige Projekte.

HB DÜSSELDORF. Reichtum kann auch Probleme bereiten: Wohin mit den Milliarden, die aus den norwegischen Öl- und Gasquellen sprudeln? Norwegen muss als weltweit drittgrößter Ölexporteur nach Saudi-Arabien und Russland und den damit verbundenen Milliardeneinnahmen des hauptsächlich staatlich kontrollierten Öl- und Gassektors eine Überhitzung der eigenen Wirtschaft vermeiden. Gleichzeitig will die Regierung den Reichtum durch das schwarze Gold künftigen Generationen zuteil werden lassen. Eine Lösung wurde mit dem Ölfonds gefunden, in den seit 1998 die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft fließen. Jeder Norweger ist dadurch bislang um gut 26 000 Euro reicher geworden. Doch das Geld wird nicht ausgeschüttet, sondern soll nach Angaben von Knut Kjær, dem Chef des norwegischen Ölfonds, eine stille Reserve für "die Zeit nach dem Öl" bilden.

Noch sprudeln die Quellen kräftig: Immer ausgeklügeltere Fördertechniken haben das Ende des Öl-Zeitalters stets weiter in die Zukunft verschoben. Aktuell werden die Ölreserven laut norwegischem Ölministerium rund 50 Jahre, die Gasreserven etwa 100 Jahre reichen. Täglich fördert das Land drei Mill. Barrel Rohöl. Bis Ende September 2004 machten die Erlöse aus dem Öl- und Gasgeschäft sowie die Anlagerenditen im Ölfonds 988,1 Mrd. Kronen (118,4 Mrd. Euro) aus.

Herausforderungen an den Staat werden größer: Norwegen muss sich auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten, will man das engmaschige Sozialsystem beibehalten. Deshalb wurde der Ölfonds gebildet. Da sich z. B. die Rentenverpflichtungen in den kommenden 20 bis 30 Jahren auf 16 bis 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppeln werden, müssen Reserven zurückgelegt werden, um die Pensionen ohne enorme Steuererhöhungen finanzieren zu können.

Anlagerichtlinien definieren die Investitionen: Knut Kjær und seine Verwalter müssen die jährlichen Mittel zu 60 Prozent in Obligationen und zu 40 Prozent in Aktien anlegen. Das darf nur im Ausland geschehen, um die Gefahr der Überhitzung der heimischen Wirtschaft zu minimieren. Außerdem würde der Einstieg des Ölfonds bei norwegischen Unternehmen die ohnehin sehr hohe staatliche Beteiligungsquote von einem Drittel aller an der Börse notierten Unternehmen weiter erhöhen. Der norwegische Ölfonds ist der drittgrößte Rentenfonds der Welt. Er besitzt 0,2 Prozent aller weltweit ausgegeben Aktien. In Deutschland ist der Fonds an mehr als 50 Unternehmen, darunter Allianz, Deutsche Telekom und Siemens, beteiligt.

Begehrlichkeiten werden geweckt: Angesichts von Defiziten im Kranken- und Bildungswesen forderten einige Parteien wiederholt den Griff in die Kasse des Fonds. Doch bislang haben sich die Regierungen dieser Forderung widersetzt. Allerdings kann der norwegische Finanzminister jährlich vier Prozent der Erträge aus dem Ölgeschäft im Haushalt einplanen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%