St. Kitts und Nevis Mit Bitcoins in die Karibik

Eine Villa auf einer sonnigen Tropeninsel, ein neuer Pass und keine Steuern: Was nach James Bond klingt, ist für Bitcoin-Besitzer jetzt möglich. Anbieter ist ein Ex-Sträfling.
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Das Bitcoin-Logo: Die virtuelle Währung, die aktuell bei rund 450 Euro notiert, wird auch zu allerlei krummen Geschäften genutzt. Quelle: Reuters

Das Bitcoin-Logo: Die virtuelle Währung, die aktuell bei rund 450 Euro notiert, wird auch zu allerlei krummen Geschäften genutzt.

(Foto: Reuters)

Er ist in der Welt der virtuellen Währungen als „Bitcoin Jesus” bekannt. Den Himmel auf Erden kann er zwar nicht versprechen, dafür aber eine Zuflucht bieten: Eine Villa in der Karibik – zusammen mit einem neuen Pass und fast überhaupt keinen Steuern. Die Rede ist von Roger Ver, Ex-Staatsbürger der Vereinigten Staaten, Ex-Sträfling und Millioneninvestor, der sich selbst als Freiheitsapostel bezeichnet.

Zum stetig wachsenden Angebot an Gütern und Diensten, die mit Bitcoins erstanden werden können, gehören aktuell Hotelaufenthalte in Rom, Kimonos in Tokio und Kabelfernsehen-Abonnements in den USA. Ver fügt dieser Liste nun eine Staatsbürgerschaft hinzu. Er gründete im April diesen Jahres die Website passportsforbitcoin.com, auf der Auswanderungswillige sich für Bitcoins eine Staatsbürgerschaft des Karibikstaats St. Kitts und Nevis kaufen können.

Die zwei sonnenverwöhnten Inseln liegen etwa drei Flugstunden von Miami im US-Bundesstaat Florida entfernt. St. Kitts bietet bereits seit 1984 ein Staatsbürgerschaft-gegen-Investment-Programm, steht auf der Website des Landes. Wer auf den Tropeninseln 400.000 Dollar (rund 294.000 Euro) für Immobilien hinblättert und zusagt, sie mindestens fünf Jahre zu behalten, der bekommt einen Pass. Alternativ können Asylsuchende dem Staat 250.000 Dollar spenden.

Der Pass ermöglicht der visumfreies Reisen in 120 Länder. Man muss laut Webseite nicht einmal in der Karibik wohnen. Außerdem gibt es auf St. Kitts keine Einkommens- oder Kapitalertragssteuer, und die restriktiven Datenschutzgesetze schirmen externe Kontrollen ab, erklärt die auf Steuerparadiese spezialisierte Denkfabrik Tax Justice Network. „Die Regierung von St. Kitts ist viel libertärer als die Vereinigten Staaten”, sagt Ver. „Alle frühen Bitcoin-Nutzer wären lieber Staatsbürger von St. Kitts. Sie müssen natürlich über entsprechende Mittel verfügen.”

Auch Ver, der durch den Handel mit Computerbauteilen bereits mit 25 Jahren zum Millionär wurde, hat früh in die virtuelle Währung investiert. 2011 kaufte er Zehntausende Bitcoins, die damals etwa ein Dollar pro Stück kosteten. Laut CoinDesk-Preisindex werden sie nun für etwas über 600 Dollar (rund 450 Euro) gehandelt. Den Spitznamen „Bitcoin Jesus” erhielt er, weil er schon in den frühen Tagen der virtuellen Währung jedem, der zuhörte, die Vorteile von Bitcoins predigte. Mittlerweile spricht er regelmäßig auf Branchenkonferenzen. Ver stellte auch Startkapital für ein Dutzend bekannter Bitcoin-Firmen bereit, wie dem Bitcoin-Handelsplatz „Kraken“ und „Blockchain“, einem Anbieter von Online-Geldbeuteln zur Lagerung der virtuellen Währung.

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