Staats-Verbot verpufft
Chinas Bitcoin-Börsen weichen ins Ausland aus

China macht ernst: Zwei Monate nach dem offiziellen Verbot schließen die letzten Bitcoin-Börsen auf dem Festland. Der Fall zeigt, wie schwierig die Krypto-Szene zu kontrollieren ist – denn der Handel geht weiter.
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DüsseldorfDer Druck der Behörden zeigt Wirkung: Die letzten chinesischen Kryptowährungs-Plattformen haben ihre Tätigkeit auf dem chinesischen Festland eingestellt. Huobi und OKCoin mit Sitz in Peking und BTCC aus Schanghai setzten zum Ende der Woche ihre Präsenz aus. Auf den ersten Blick haben die chinesischen Behörden damit ihr Ziel erreicht und die führenden Krypto-Börsen geschlossen.

China ist die globale Bitcoin-Nation. Nirgendwo sonst werden so viele Minen der Kryptowährung betrieben. Und nirgendwo sonst gibt es so viele Privatleute und Investoren, die ihr Geld in Bitcoins angelegt haben. Doch dem chinesischen Staat ist der Hype nicht geheuer. Pekings Regulierungsbehörden hatten am 4. September Krypto-Börsengänge (sogenannte „Initial Coin Offerings“, kurz: ICOs) für illegal erklärt. Wenig später wurden auch die Handelsplattformen des Landes für die bereits bestehenden Münzen geschlossen.

Das heißt jedoch nicht, dass die Währung oder der Besitz von Bitcoins verboten ist. Wer Bitcoins sein Eigen nennt, darf sie behalten, oder mit anderen Besitzern direkt tauschen. Wie schwierig es selbst für die hart durchgreifenden chinesischen Aufseher ist, den wilden Markt für Kryptowährungen unter Kontrolle zu bringen, zeigt das Schicksal der geschlossenen Börsen. Denn diese sind quicklebendig.

Wie die Branchenseite BTC-Echo und das US-Magazin Forbes melden, arbeiten die Plattformen unter neuem Namen weiter: OKCoin heißt nun OKEx, Huobi wurde zu Huobi Pro. Beide sind nun in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong ansässig. Huobi verlagerte außerdem Teile des Handels nach Singapur und Südkorea. Auch BTCC ist weiterhin aktiv.

Da in Hongkong eigene Gesetze gelten, analog zum Ausland, umschiffen die Börsen so geschickt das offizielle Verbot der chinesischen Zentralbank. Für die Nutzer ändert sich wenig. Der bedeutendste Unterschied: Geldzu- und -Abflüsse erfolgen aktuell über lokale Währungen – je nach Sitz des Handelsplatzes, außerdem über den direkten Tausch im Netz per sogenannte Peer-to-Peer-Verbindung. Herkömmliche Einzahlungen bei den Plattformen in Yuan sind nicht mehr möglich.

Erstmals werden nicht mehr nur Kryptowährungen auf den Börsen gehandelt: OKEx hat angekündigt, auch den Handel mit der chinesischen Landeswährung Yuan per Direkttausch zu ermöglichen. Kurz nach dem Start hat OKEx laut eigener Aussage 8.000 Anmeldungsanfragen erhalten.

Beobachter sehen im Wechsel zum Peer-to-Peer-Prinzip neue Probleme für die Aufsichtsbehörden: Geldwäsche ließe sich so noch schwieriger unterbinden, sagte etwa Scott Freeman von der Luxemburger Tauschbörse C2CX gegenüber Forbes. „Aus Sicht der Aufsicht ist das eine noch schlechtere Lösung.“

In China sind Kryptowährungen besonders beliebt, da sich mit ihnen die herrschenden Kapitalverkehrskontrollen der Volksrepublik umgehen lassen. Einer Studie zufolge gab es allein in diesem Jahr 65 virtuelle Börsengänge (ICOs) mit einem Volumen von insgesamt 2,62 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 330 Millionen Euro). Auch in Europa, Japan und den USA wächst das Interesse an den Krypto-Anlagen.

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