Staatsschulden
Sorgen um Irland belasten den Euro

Die wachsenden Ängste um Irlands Bonität drücken den Euro: Erstmals seit Anfang November fällt die Gemeinschaftswährung wieder unter die Marke von 1,40 Euro. Auch die Aktienmärkte gönnen sich zum Wochenauftakt eine Verschnaufpause. Derweil ist der Goldpreis auf ein neues Rekordhoch geschnellt.
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FRANKFURT. Der Höhenflug des Euros ist vorerst gestoppt. Die europäische Gemeinschaftswährung fällt erstmals seit Anfang November unter die Marke von 1,40 Dollar und sackte auf bis zu 1,3892 Dollar kräftig ab. Auch am Abend lag die Gemeinschaftswährung mit 1,3916 Dollar noch kräftig im Minus. Auch zum britischen Pfund und zum Schweizer Franken geriet der Euro unter Druck.

Als Hauptauslöser für den Druck auf den Euro machten Experten die Sorgen um Irlands Staatsschulden aus. Die irische Regierung hatte Ende vergangener Woche erklärt, allein im kommenden Jahr sechs Mrd. Euro sparen zu wollen.

Als Folge hat der Goldpreis abermals einen neuen Rekordstand erreicht: Am Montag stieg er erstmals über die Marke von 1400 Dollar. In der Spitze erreichte der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) des Edelmetalls 1402,00 Dollar. Der Goldpreis übertraf damit den am Freitag erreichten Rekord von 1397,85 Dollar. Grund für den Anstieg ist nach Händlerangaben neben Sorgen angesichts der Schuldenkrise auch die von der US-Notenbank beschlossene Liquiditätsschwemme.

Details zum umstrittenen Sparhaushalt in Irland wird derweil es erst in knapp zwei Wochen geben. EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn reiste nach Dublin, um mit den Regierungsvertretern über Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen zu reden. Investoren interpretieren den hohen Besuch in Dublin laut Jeremy Stretch, Devisenstratege bei der kanadischen CIBC, als Zeichen dafür, wie kritisch die Lage ist.

Das zeigte sich nicht nur am Devisenmarkt. Auch die Kurse irischer Staatsanleihen gerieten erneut unter Druck und entsprechend stieg die zehnjährige Rendite auf ein neues Rekordhoch seit der Euro-Einführung von 7,6 Prozent. Nach Berechnungen der Strategen der Unicredit ist bei den zehnjährigen irischen Bonds ein Abschlag von 30 Prozent des Rückzahlungswertes angesichts des Renditeaufschlags von 5,3 Prozentpunkten zu zehnjährigen Bundesanleihen enthalten. Nicht ganz so dramatisch, aber ebenfalls kritisch ist die Lage in Portugal, wo die zehnjährige Rendite auf über 6,6 Prozent stieg.

Auf die Aktienmärkte griff die Irland-Krise nicht über. Selbst irische Aktien machten im Tagesverlauf ihre zeitweiligen Kursverluste wett. Wenig Bewegung gab es am deutschen Markt, wo der Dax mit einem Abschlag von 0,05 Prozent bei 6 750,5 Punkten kaum verändert schloss. Händler erklärten die Zurückhaltung der Investoren mit Gewinnmitnahmen und einer abwartenden Haltung nach den kräftigen Gewinnen der Vorwoche.

Größter Dax-Verlierer mit minus 5,2 Prozent war nach enttäuschenden Quartalszahlen die Commerzbank-Aktie. Stetig gefragt war dagegen die Adidas-Aktie nach einem optimistischen Fünf-Jahresausblick der Konzernspitze. In New York verlor der Dow-Jones-Index bis zum Mittag ein halbes Prozent. Wie in Frankfurt hieß es, dass sich Investoren Gewinne sicherten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Zumindest eine positive Sache sollte man schon erlebt haben: Es müssen keine Preise mehr verglichen und kein Geld getauscht werden. Somit fällt auch die Abzocke gegenüber Urlaubern schwerer.
    Viele andere Dinge lassen sich aus pro und contra Euro blickwinkeln diskutieren und man kann zu jeder Meinung Statistiken zitieren, die das eine oder andere bestätigen. Alles in Allem bin ich für meinen Teil sehr zufrieden mit der Gemeinschaftswährung und freue mich über die pro Euro Statistiken ohne natürlich ganz die Risiken zu vergessen! ich wollte in meinem ersten beitrag den Gegenpart zur Margit einnehmen, die mich gerne vor Gericht stellen möchte.
    Ansonsten stehe ich auch hinter dem "differenzierter"

  • Wer hier sagt, der Euro wäre das beste was Europa passieren konnte, hat nicht zu Ende gedacht. Es wird so kommen, dass die starken Volkswirtschaften immer für die schwachen einen Ausgleich entrichten müssen, genauso wie die starken Länder im bund für die schwachen bezahlen müssen, damit diese glänzen können. Aber irgendwann werden auch starke Schultern schwach, was dann? ich habe bis heute noch nichts Positives durch den Euro erlebt.
    Danke

  • Das muß man glaube ich differenzierter sehen.
    Wer weiß, wie sich die deutsche Wirtschaft entwickelt hätte, wenn es den EUro nicht gegebenhätte?
    Teilweise sicher schlechter!
    Jedoch iST es nunmal nicht so, daß alles rosa ist. D-Land zahlt auch viel und gibt Teile seiner Demokratie preis! Und DAS wird häufig übersehen.

    es ist "das beste" ist ebenso übertrieben, wie von einer Junta in brüssel zu sprechen. DAs nennt man Kontrastierung, bisweilen "Name-calling".
    Wer sich so extrem äußert hat in der Regel wenig Deckungsgleichheit mit "der Wahrheit".

    Jede Zusammenarbeit kann produktiv und für Viele nützlich sein.
    Sie birgt aber auch immer GEfahren für das individuum oder kleinere "interessengruppen", wie "die Deutschen", "die Rentner",...

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