Standard Chartered
„Euro-Reserven schwinden wegen Draghi”

Mario Draghi ist im Begriff, den Geldhahn für Europa weiter aufzudrehen. Das schwächt den Euro. Die Notenbanken weltweit rechnen deshalb mit Verlusten – und verkaufen massenweise ihre Euro-Reserven.

Frankfurt/SingaburWeltweit haben mehrere Zentralbanken ihre Euro-Positionen nach Einschätzung der Bank Standard Chartered teilweise oder vollständig verkauft. Der Grund: Sie rechnen mit Verlusten aufgrund der beispiellosen Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank.

Daten des Internationalen Währungsfonds zeigten, dass der Anteil des Euro an den weltweiten Reserven seit dem vergangenen Jahr zurückgegangen sei, was die Kursverluste der Währung widerspiegele, sagte Jukka Pihlman, Leiter Zentralbanken und Staatsfonds bei Standard Chartered in Singapur. Die IWF-Zahlen böten jedoch kein vollständiges Bild, da der Abbau der Euro- Positionen stärker ausgeprägt sei bei Ländern, die keine Details der Zusammensetzung ihrer Währungsreserven an den IWF meldeten. Welche Länder genau betroffen seien, sagt Pihlman nicht.

Seit Ende 2013 hat der Euro 23 Prozent gegenüber dem Dollar abgegeben und steuert auf den größten Zweijahresverlust seit seiner Einführung zu. Am Donnerstag vor dem Dezember-Zinsentscheid der EZB verlor die Gemeinschaftswährung abermals deutlich an Boden und notierte zuletzt 0,5 Prozent tiefer bei 1,05 US-Dollar. Einige Experten – etwa die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs – rechnen damit, dass die Währung im Laufe des Tages auf 1,03 Us-Dollar abrutscht. Damit wäre die Euro-Dollar-Parität kein Zukunftsszenario mehr. EZB-Präsident Mario Draghi signalisierte im Oktober, dass die Zinsentscheider bereit sind, die Konjunkturmaßnahmen auf ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag auszuweiten. Im März hatte die Notenbank ein Wertpapierkaufprogramm im Volumen von 1,1 Billionen Euro eingeleitet.

„Wir haben in Einzelberichten festgestellt, dass Zentralbanken ihre Euro-Positionen reduziert haben, in einigen Fällen sehr deutlich”, erläuterte Pihlman, der früher für den IWF tätig war, am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg. „Die Negativzinsen im Euro sind mit Sicherheit ein Faktor gewesen, aber das langsame Wachstum und die Erwartung weiterer Abwertungen haben ebenfalls eine Rolle gespielt.”

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