Starke Nachfrage
Bei Uran wächst die Skepsis

Der Uransektor hat angesichts der starken Nachfrage nach der radioaktiven Substanz weltweit eine Renaissance erlebt. Viele Experten sind der Ansicht, dass der Preis von Uranoxid noch in diesem Jahr erstmals in seiner Geschichte auf über 100 Dollar pro Pfund klettern könnte. Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die vor überzogenen Erwartungen warnen.

KAPSTADT. Die Skepsis der Fachleute vor überzogenen Erwartungen ist nicht unbegründet. Markus Bachmann von Craton Capital in Johannesburg verweist etwa auf die Inbetriebnahme einiger neuer Uranminen. Diese könnten das derzeitige Angebotsdefizit mittelfristig ausgleichen oder sogar in einen Überschuss verkehren. Denn anders als Erdöl ist Uran reichlich vorhanden. Der Lieferengpass rührt zum Großteil daher, dass in den letzten zwei Jahrzehnten kaum in die Suche und Erschließung (Exploration) neuer Vorkommen investiert wurde.

Doch Veränderung ist in Sicht. Besonders stark werden die Kapazitäten für den Uranabbau zurzeit in Namibia erweitert. Hier wird zum Beispiel die 30 Jahre alte Rössing-Mine ausgebaut. Statt die Grube zum Jahresende zu schließen, wird ihre Lebensdauer nun zunächst bis 2016 und vermutlich darüber hinaus verlängert. Angesichts der hohen Erdölpreise und der Sorgen vor einer weiteren Klimaerwärmung ist die Nachfrage nach Uran laut Rössing-Chef Willem van Rooyen derart stark gestiegen, dass Rössing-Betreiber Rio Tinto eine Kehrtwende vollzogen hat.

Daneben ist in Namibia die Eröffnung von vier kleineren Uranminen geplant, die zusammen rund 8 000 Tonnen Uranoxid pro Jahr produzieren sollen. Als erste hat vor drei Monaten eine Mine am Berg Langer Heinrich, 85 Kilometer südöstlich der Küstenstadt Swakopmund, den Betrieb aufgenommen. Sie gehört dem kleinen australischen Uranförderer Paladin Resources. Am Wochenende wurden über den Tiefseehafen Walvis Bay die ersten fünf Tonnen Uranoxid in die USA verschifft.

Im November hatte Paladin Ergebnisse weiterer Probebohrungen in der Region veröffentlicht: Demnach liegen die Uranvorkommen in dem Gebiet um den Langen Heinrich mindestens zehn Prozent höher als zuvor erwartet.

Getrieben wird das neue Interesse an der Exploration von dem stark gestiegenen Uranpreis (Kasten). Auf dem aktuellen Niveau wird auch der Abbau in zuvor unrentablen Produktionsstätten wie in Namibia wieder lukrativ, wo der Urangehalt des abgebauten Gesteins erheblich niedriger als in kanadischen und australischen Minen liegt. 2003 wurden in der Rössing-Mine nur wenig mehr als 2 300 Tonnen Uran produziert, bis Ende 2008 soll die Produktion auf 4 500 Tonnen gesteigert werden.

Falls der Zeitplan für die Minen in Namibia eingehalten wird, würde sich die frühere deutsche Kolonie hinter Kanada und Australien in der Uranproduktion auf den dritten Rang verbessern. Zurzeit werden weltweit etwa 66 000 Tonnen Uran im Jahr verbraucht. Van Rooyen glaubt, dass alle Minen in Namibia schon deshalb rentabel betrieben werden könnten, weil sich weltweit 23 neue Atomkraftwerke im Bau befinden, 39 weitere sind fest geplant.

Starken Auftrieb hat der Uranpreis aber auch durch den schweren Wassereinbruch in der kanadischen Lake-Cigar-Mine erhalten. Diese enthält die reichsten Uranlager der Welt. Die Mine, die dem weltweit größten Uranförderer Cameco gehört, hätte 2008 in Produktion gehen und bis 2013 rund ein Drittel des jährlichen Produktionszuwachses liefern sollen. Angesichts der enormen Schwierigkeiten und Kosten ist nicht mit einer Reparatur vor 2011 zu rechnen. „Im übertragenen Sinne kommt der Ausfall der Mine einem Produktionsstopp am saudischen Ölmarkt gleich“, sagte ein Rohstoffexperte von Sprott Asset Management der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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