Starke Nachfrage
Ist der Goldpreis am Wendepunkt?

Schmuckhändler erhalten regen Zulauf privater Anleger. Auch die Notenbanken kaufen kräftig Gold ein. Grund genug für einige Analysten an einen Wendepunkt beim Goldpreis zu glauben. Doch es gibt auch Skeptiker.
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Mumbai/FrankfurtDie Verluststrecke bei Gold, die in diesem Jahr 56 Milliarden Dollar an Wert vernichtet hat, hat die Nachfrage der Konsumenten aus Indien und China angeheizt. Die Analysten von JPMorgan Chase und der Bank of America gehen daher von einer Bodenbildung des Edelmetallpreises aus.

Das World Gold Council rechnet damit, dass die Verkäufe von Schmuck, Münzen und Barren in diesem Jahr in China und Indien jeweils 1000 Tonnen erreicht haben werden. Damit würde der bisherige chinesische Rekord von 778,6 Tonnen 2011 übertroffen und der indische Höchstwert von 1006,5 Tonnen aus dem Jahr 2010 nahezu erreicht.

Preise, die fast 30 Prozent unter dem Rekordstand von 1921,15 Dollar aus dem September 2011 liegen, haben die asiatischen Käufer angelockt. „Wenn immer wir etwas Geld übrig haben, überlegen wir uns, ein paar Gold-Schmuckstücke zu kaufen”, sagte Wang Xiang, ein 70 Jahre alter Mann aus der ostchinesischen Provinz Anhui, nachdem er einen Goldanhänger für seinen Enkel erworben hatte. „Wir wissen nicht, wie wir sonst investieren sollten, und dies ist die traditionelle Art, das Vermögen zu schützen.”

Dies spiegelt sich auch im Absatz der Juweliere in China und Indien wider. Während die Verkäufe in China in der ersten Jahreshälfte um 45 Prozent auf 571,2 Tonnen anzogen, legten sie in Indien um 48 Prozent auf 567,5 Tonnen zu, schätzt das Gold Council. Die weltweite Nachfrage zog um 32 Prozent auf 2.040,2 Tonnen an.

Auch die Notenbanken stehen auf der Käuferseite. Ihre Käufe hatten mit 534,6 Tonnen im vergangenen Jahr den höchsten Zuwachs seit 1964 erreicht. Sie könnten in diesem Jahr 350 weitere Tonnen erwerben, schätzt das Gold Council.

Die physische Nachfrage kontrastiert mit den Rekordverkäufen durch börsengehandelte Fonds. Nach einem Spitzenwert von 2632,5 Tonnen im Dezember vergangenen Jahres kommen sie nun noch auf einen Bestand von 1948,3 Tonnen, wie Daten von Bloomberg zeigen. Immerhin haben sich die Abflüsse verlangsamt. Seit Anfang August haben börsennotierte Goldprodukte 23,2 Tonnen verkauft, was das geringste Ausmaß seit Januar ist. Trotzdem summieren sich die Abflüsse in diesem Jahr auf 683,6 Tonnen und haben damit fast schon das Niveau von 700 Tonnen erreicht, das die Analysten von Barclays für das Gesamtjahr erwarten.

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  • Wer auch nur ein bisschen was vom Edelmetallmarkt versteht und mittel- bis langfristiger Privatinvestor ist, der hat bei $19 Silber und $1200 Gold im Frühjahr "den Truck beladen". Jetzt muss nur noch darauf geachtet werden, wie sich die Gold/Silber Ratio entwickelt. Gegebenenfalls macht man einen swap, wenn lukrativ (ich denke ab 30/1 oder darunter überlegenswert).

  • Papiergold hat ein spezifisches Gewicht von ca. 80g/m², weil's ja eigentlich nur bunt bedrucktes Papier ist. Wenn da im Artikel von Tonnen Papiergold die Rede ist, bezieht sich das dann auf die Papiermenge, oder auf die darauf abgedruckte heiße Luft, irgendwann den Käufer in ferner Zukunft mit physischem Gold für seinen bodenlosen Leichtsinn zu entschädigen?

    Wie das ausgehen kann, haben wir in jüngster Vergangenheit ja alle selbst beobachten dürfen. Als z.B. die Schweizer Banken von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, sich durch die im Kleingedruckten versteckte Hintertür namens "oder Geldzahlung" aus der Liefer-Pflicht zu stehlen.

    Niemand würde auf die Idee kommen, anstelle eines Autos einen bunten Wisch zu kaufen, auf dem schön verschnörkelt "Auto" steht. Weil's eben nicht dasselbe ist.

    Warum also fällt noch immer hierzulande ein erheblicher Teil der Goldkäufer auf Papiergold herein?

  • nein, das ist der alte Stand.

    Das angesprochene "Britengold" wurde schon lange zurückgeholt und ist in den angeblichen ca. 900 t in inländischen Beständen eingerechnet. Aus Paris soll nach den alten Plänen alles abgeholt werden, über den Zeitplan schweigt sich die Buba aber vornehm aus und die Sache mit den Gold aus NY ist gerade der Rücktransport von 300 t, der sage und schreibe 7 Jahre dauern soll. Für die Amis zählt Gold offenbar zu den Immobilien.

    Also leider: im Westen nichts Neues!

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