Starke Verluste
Anleger fliehen aus Rohstoff-Märkten

Europäische Schuldenkrise und die drohende Rezession trieben Anleger am Montag aus den Rohstoff-Märkten. Blei und Zinn brachen um bis zu neun Prozent ein - und Analysten befürchten, dass der Trend sich fortsetzen wird.
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FrankfurtDie Verluste erstreckten sich auf fast alle Commodities. Selbst Edelmetalle, die in Krisenzeiten gern als „sicherer Hafen“ angesteuert werden, mussten Federn lassen. Die Preise für Gold und Silber fielen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Getreu dem Motto „Cash is King“ horteten Anleger Bargeld oder investierten es in die Weltleitwährung Dollar. Der Dollar-Index , der die Kursentwicklung zu den sechs wichtigsten Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, stieg zeitweise auf ein Siebeneinhalb-Monats-Hoch von 78,86 Punkten.

„In Zeiten extremer Anspannung gibt es keinen Ersatz für Liquidität“, sagte Analyst Tom Kendall von der Credit Suisse. „Gold ist zwar im Vergleich zu anderen Metallen liquide, bei einer Flucht ins Bargeld zählt aber Cash allein - und das bedeutet US-Dollar.“ Da keine schnelle Lösung für die europäische Schuldenkrise in Sicht sei, werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen. Sein Kollege David Thurtell von der Citigroup äußerte sich ebenfalls pessimistisch: „Die Leute befürchten das schlimmste. Wir befinden uns im freien Fall und niemand wagt es, sich dagegenzustemmen.“ Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold fiel um bis zu 7,3 Prozent auf 1534,49 Dollar. Silber brach in der Spitze sogar um gut 16 Prozent auf 26,04 Dollar ein. Damit büßten die beiden Edelmetalle binnen drei Handelstagen 14 beziehungsweise 34 Prozent ihres Wertes ein. Dies ist der größte Preisverfall seit jeweils rund 30 Jahren. Volkswirt Song Seng Wun von CIMB Research betonte, dass der Goldpreis angesichts der Rally in den vergangenen Jahren reif für eine Korrektur sei. Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt.

Kupfer verbilligte sich am Montag um bis zu 7,6 Prozent auf 6800 Dollar je Tonne. Blei und Zinn brachen sogar um acht beziehungsweise neun Prozent ein. Analyst Du Xiaohua von Dongzheng Futures sagte ein Fortsetzung der Talfahrt voraus. „Investoren befürchten eine tiefe globale Rezession.“ Daher hätten sich viele chinesische Firmen in den vergangenen Tagen mit Bestellungen zurückgehalten. China ist der weltweit größte Kupfer-Verbraucher.

Am Rohöl-Markt rutschte der Preis für die US-Sorte WTI um bis zu 3,4 Prozent auf 77,11 Dollar je Barrel (159 Liter) ab. Das Nordsee-Öl Brent verbilligte sich in der Spitze um 3,4 Prozent auf 101,66 Dollar. Im Fahrwasser kräftiger Kursgewinne der Aktienmärkte konnten sich beide ins Plus vorarbeiten und notierten am Mittag bei 80,37 beziehungsweise 104,92 Dollar. „Der Markt ist schon stark gefallen und die meisten schlechten Nachrichten scheinen eingepreist“, sagte Öl-Händler Christopher Bellew vom Brokerhaus Jefferies Bache. Die Talsohle sei durchschritten - zumindest vorläufig. Für Analyst Edward Meir von MF Global sind die Rohstoff-Märkte noch lange nicht über den Berg. „Vor uns liegen entscheidende Tage und Wochen. Sie erinnern stark an die kritische Zeit von 2008.“ Damals hatte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Welt in die Rezession gestürzt.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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