Starke Währung
Regierungswechsel stützt den Yen

Jahrelang haben japanische Regierungen den Export durch einen schwachen Yen gestützt. Doch nun möchte die neue Regierung unter der Demokratischen Partei die Binnenwirtschaft stärken und setzt dabei auf eine starke Währung - trotz globaler Aktienhausse.

TOKIO. Auf keine Börsenregel ist seit der Finanzkrise mehr Verlass: Früher gehörte es zu den etablierten Marktmustern, dass der Yen verkauft wird, wenn die Aktienkurse und Rohstoffpreise steigen. Doch seit Beginn des globalen Börsenaufschwungs im Frühjahr passiert das Gegenteil: Gegenüber vielen Währungen ist der Yen trotz wachsendem Risikoappetit teurer geworden oder stabil geblieben. Der Regierungswechsel in Tokio hat den Trend verstärkt, weil die Demokratische Partei die Staatsfinanzen umbauen will. Zudem stellt der neue Finanzminister Hirohisa Fujii das Dogma in Frage, dass ein schwacher Yen den Export stütze.

Am Montag war die japanische Währung auf ein Siebenmonatshoch zum Dollar geklettert. Am Donnerstag fiel der Yen zwar wieder etwas zurück. Doch die kommende Woche könnte eine erneute Verteuerung bringen, weil die Devisenhändler wegen der "Silberwoche" mit drei Feiertagen in Folge zu Hause bleiben. "Der Yen neigt zur Aufwertung, wenn in Japan nicht gehandelt wird", sagt Masahi Hashimoto von der Bank of Tokyo Mitsubishi UFJ. Dagegen spricht nur, dass japanische Anleger mehr Geld ins Ausland tragen. In der ersten Septemberwoche kauften sie für umgerechnet knapp 13 Mrd. Euro Geldpapiere in Fremdwährungen, so viel wie seit Juni 2005 nicht mehr.

Früher schwächte der sogenannte Carry Trade den Yen: Anleger verschuldeten sich zum japanischen Niedrigzins und legten das Geld höher rentierend in anderen Währungen an. Der rasante Rückkauf dieser Yen-Positionen als Folge der Kreditverknappung sorgte im Vorjahr dafür, dass nach 170 Yen im Juni zum Jahresende nur noch 120 Yen für einen Euro bezahlt wurden. Inzwischen scheint der Dollar die Rolle der Carry-Trade-Währung übernommen zu haben, während der Abbau der Yen-Kredite weiter geht. Das würde auch erklären, warum sich der Euro trotz schwachem Dollar seit Monaten relativ stabil zwischen 128 und 138 Yen bewegt.

Ebenso stützte der Machtwechsel in Tokio den Yen-Auftrieb. Seit Mitte August, als der Wahlsieg der Demokratischen Partei (DPJ) sicher schien, hat der Yen sich zum Dollar um fünf Prozent verteuert. Ein Argument am Markt lautet, dass die öffentlichen Finanzmittel künftig mehr der Binnenwirtschaft zugute kommen. Das Kapital würde effizienter und produktiver verwandt, so die Spekulation, und ein schwacher Wechselkurs dadurch für billige Ausfuhren weniger nötig. "Japan könnte den Export durch einheimische Nachfrage ersetzen, indem wir unsere Dollar-Reserven in Yen tauschen", sagt Rating-Spezialist Akio Mikuni.

Ein starker Yen würde die Importkosten senken, die reale Kaufkraft stärken und ausländisches Kapital anlocken. Außerdem könnten japanische Firmen im Ausland billiger Übernahmen tätigen. Aktuell hängt die Konjunktur allerdings noch am seidenen Yen-Faden: Der Aufschwung wird fast allein von den Ausfuhren getragen. Nach einer Regierungsumfrage machen die Exportfirmen aber erst bei mehr als 97 Yen zum Dollar Gewinn, während der Dollar in den letzten Wochen zwischen 90 und 93 Yen schwankte. "Schon eine geringe Aufwertung beeinträchtigt die Gewinne", warnt Fondsmanager Daisuke Shimazu von Sumitomo.

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