Starker Kurs
Euro bricht immer neue Rekorde

Der Euro hetzt von einem Rekordhoch zum nächsten. Auch wenn es Kurseinbrüche gibt, in naher Zukunft rechnen Experten nicht mit einer anhaltenden Schwächung. Europas Notenbanker streiten nun, wie sie auf ihre starke Währung und den Ölpreis reagieren sollen.

FRANKFURT. Der Euro hat am Montag mit 1,4348 Dollar den höchsten Stand seit seiner Einführung Anfang 1999 erreicht. Zwar drückten am Mittag Gewinnmitnahmen den Euro wieder auf Kurse unter 1,42 Dollar; doch die meisten Analysten rechnen damit, dass die Dollar-Abwertung weiter geht. Ursache ist nach vorherrschender Expertenmeinung die zunehmende Eintrübung der Wirtschaftsperspektiven der USA. Diese führt unter anderem dazu, dass amerikanische Zinsen relativ zu den europäischen sinken. Dadurch werden US-Anleihen weniger attraktiv, was die Nachfrage nach Dollar drückt. Die US-Notenbank hat bereits mit einer Zinssenkung auf die Immobilienkrise reagiert. Allgemein werden weitere Zinssenkungen erwartet.

Dagegen haben sich in den vergangenen Tagen mehrere europäische Notenbanker öffentlich so geäußert, als beabsichtigten sie eine weitere Zinserhöhung.

Unter den Mitgliedern des 19-köpfigen Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint es in dieser Frage jedoch keine Einigkeit zu geben. Während sich Direktoriumsmitglied Jürgen Stark und Bundesbankpräsident Axel Weber ebenso wie der österreichische Notenbankpräsident Klaus Liebscher besorgt über zunehmende Inflationsgefahren äußersten und Konjunkturrisiken eher herunterspielten, gab es auch gegensätzliche Gewichtungen.

So sagte das portugiesische Ratsmitglied Vitor Constancio, die Konjunktursignale der jüngsten Tage zeichneten kein positives Bild von der Weltwirtschaft. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung „Jornal de Negocios“ sagte Constancio, der jüngste Preisanstieg bei Öl sowie der schwache Dollar seien vor dem Hintergrund zum Teil sinkender Aktienkurse beunruhigend. „Dies sind keine guten Indikatoren, aber wir sprechen hier nur über Tage, und daher ist es noch nicht möglich, große Schlussfolgerungen zu ziehen“, zitierte ihn das Blatt.

Der belgische Notenbankgouverneur Guy Quaden nahm eine ausgewogene Haltung ein. Die hohen Preise für Öl und andere Rohstoffe steigerten den Preisdruck im Euro-Raum. Auf der anderen Seite könne eine moderate Verlangsamung des Wirtschaftswachstums den Preisdruck etwas abschwächen, sagte Quaden der Agentur MNSI am Wochenende in Washington.

Unter internationalen Ökonomen ist umstritten, inwieweit die inzwischen allseits erwartete Wachstumsabschwächung in den USA andere Weltregionen und insbesondere Europa in Mitleidenschaft ziehen werde. Der Ökonomie-Nobelpreisträger und ehemalige Weltbank-Chefökonom Joseph Stiglitz warnte am Montag in Tokio, die fallenden Immobilienpreise in den USA würden nicht nur die US-Konjunktur, sondern auch die gesamte Weltwirtschaft deutlich abbremsen. „Das ist ein großes Problem für die USA, und wenn es ein Problem für die USA ist, dann ist es auch ein Problem für die Weltwirtschaft“, sagte Stiglitz. Andere Volkswirte vertretend dagegen die Meinung, aufgrund der starken Nachfrage in vielen Schwellenländern könnte sich die Weltwirtschaft und auch Europa von der Konjunkturentwicklung in den USA abkoppeln.

Noch haben die Befürworter höherer Zinsen die Märkte noch nicht davon überzeugt, dass sie sich im EZB-Rat durchsetzen werden. Die Kurse von Zinstermingeschäften zeigen die klar vorherrschende Erwartung an, dass der EZB-Leitzins in den nächsten zwölf Monaten nicht steigen wird.

Einem weiteren Dollar-Fall steht nach Analystenmeinung wenig entgegen. „Die Abwesenheit jeglichen Signals von der G7, dass die Dollar-Abwertung zu weit gegangen ist, zeigt ein stillschweigendes Einverständnis mit einer weiteren Abwertung an“, kommentierten die Devisenexperten von Morgan Stanley das Kommuniqué, das die Vertreter der größten Industrienationen am Wochenende verabschiedeten.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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