Steigende Nachfrage
Treibstoffproduktion treibt Agrarpreise nach oben

Die Agrarmärkte führen zurzeit ein gewisses Eigenleben. Während die Preise für die Industriemetalle wegen der befürchteten Auswirkungen der Hypothekenkrise in den USA auf die Weltwirtschaft zunehmend unter Druck geraten, streben die Preise für eine Reihe von Agrarprodukten neuen zyklischen Höchstständen entgegen.

LONDON. Getrieben werden die Notierungen vor allem durch wetterbedingte Ernteausfälle. Aber auch die ungebrochene Nachfrage Chinas und anderer Schwellenländer und die zunehmende Verarbeitung von Agrarprodukten zu Biotreibstoff, allen voran Mais, treiben die Preise nach oben.

„Die Agrarmärkte erleben einen Boom“, sagt Kona Haque von der Economist Intelligence Unit, EIU, in London. In ihren jetzt veröffentlichten Prognosen für 16 international gehandelte Agrar-Rohstoffe geht die Analystin von einem Anstieg des Sammelpreisindex für diese um jahresdurchschnittlich 16 Prozent im laufenden Jahr aus. Der Anstieg wäre noch höher ausgefallen, so die Analystin, wenn der Zuckerpreis nicht um über dreißig Prozent abgestürzt wäre. „Es wird noch geraume Zeit dauern, bis das Angebot die Nachfrage eingeholt hat“, meint Haque. Die angespannte Marktlage bei vielen Produkten könnte sich daher noch bis zum Jahr 2009 fortsetzen.

Sudakshina Unnikrishnan von Barclays Capital beurteilt die Situation an den Agrarmärkten ähnlich. Die Weizenvorräte etwa seien, gemessen an ihrer Versorgungsreichweite, auf den niedrigsten Stand seit über 40 Jahren gefallen; in absoluten Zahlen lägen sie auf dem tiefsten Stand seit 26 Jahren. Und bei Mais sänken insbesondere in den USA die Vorräte wegen der zunehmenden Verarbeitung des Getreides zu Biotreibstoff rapide.

Selbst bei Zucker soll die wachsende Verarbeitung zu Ethanol-Kraftstoff schon bald den Preisverfall stoppen. Unter dem Druck eines plötzlichen Überangebots im Erntejahr 2006/07 hat sich der Preis binnen Jahresfrist etwa halbiert. Toby Cohen von dem Londoner Zuckerhandelshaus Czarnikow gibt sich nun optimistisch und schließt eine baldige Stabilisierung des Preises nicht mehr aus. Ihm ist aufgefallen, dass sich der physische Zuckerhandel zwar noch gegen weitere Verluste abzusichern suche, Anleger dagegen aber schon wieder zukauften. Auch die Londoner EIU prognostiziert in ihren „World commodity forecasts: food, feedstuffs and beverages August 2007“ eine Erholung des Zuckerpreises um drei Prozent im Jahresdurchschnitt für 2008 und um weitere acht Prozent für 2009.

Dazu würden auch sinkende Exporte der EU im Rahmen der dortigen Zuckermarktreform beitragen. Besonders bullish ist die EIU-Spezialistin Kona Haque für Ölsaaten. Trotz der bereits kräftigen Preiserhöhungen sollten diese noch über das Jahr 2009 hinaus zulegen können. Dies gelte besonders für Palmöl. Hier erwartet die EIU für das laufende Jahr einen um 50 Prozent höheren Preis, der im nächsten Jahr um weitere zehn Prozent und auch 2009 steigen werde. Bei Sojabohnen zeichne sich ab, dass die zunehmende Produktion in Lateinamerika ein weiteres Schrumpfen der weltweiten Sojabestände nicht aufhalten werde.

Die markantesten Verluste drohen in den nächsten zwei Jahren bei Kaffee. Hochwertige Arabicas sollen sich 2008 um 15 Prozent und 2009 um weitere neun Prozent verbilligen. Der qualitativ schlechtere Robusta-Kaffee werde um je acht Prozent fallen. Bei Kakao zeichnet die EIU ein gemischtes Bild. In diesem Jahr werde der Durchschnittspreis 20 Prozent zulegen, dann aber wieder deutlich fallen.

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