Steigende Preise erwartet
Der Markt für Erdgas dreht

Der US-Energiemarkt zeigt eine erstaunliche Preisentwicklung. Während der Ölpreis nur leicht unter seinem historischen Hoch liegt und Benzin Rekordpreise erreicht, ist der Preis für Erdgas von fast 16 Dollar im Oktober 2005 auf zeitweise weniger als sechs Dollar je Million British Thermal Units (MMBtu) abgesackt. Doch jetzt steht der Erdgasmarkt nach Meinung von Experten vor einer Wende.

FRANKFURT. Hierfür spricht die langfristig geringe Verfügbarkeit von Gas in Nordamerika und die Tatsache, dass der Preis für künftige Gaslieferungen bereits stark gestiegen ist.

Erdgas habe mit dem jüngsten Rutsch auf 5,80 Dollar sein langfristiges Preisverhältnis zum Erdöl unterschritten. Dieses lag in den vergangenen Jahren bei eins zu sechs, sagt Hans-Jürgen Klisch, Energie-Experte des Investmenthauses Raymond James & Associates. Erdgas müsste theoretisch heute an der Nymex bei mehr als zwölf Dollar gehandelt werden. In normalen Marktphasen werde diese Preisrelation dadurch hergestellt, dass die Energieversorger die günstigsten Preise suchen und dabei meist zwischen Erdöl und Erdgas wechseln.

„Dieses Switching geschieht derzeit deshalb nicht, weil die in der Vergangenheit billig aufgebauten hohen Ölreserven der Kraftwerke noch nicht aufgebraucht sind“, sagt Klisch. Zudem werde Gas in den Terminpreisen 2007 und 2008 deutlich über zehn US-Dollar gehandelt. „Wir glauben, dass das Preisrisiko begrenzt ist“, sagen die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs. Wegen noch immer hoher US-Gasbestände sehen Experten dieses Hauses – im Gegensatz zur Konkurrenz – vorerst auch nur geringes Preispotenzial. Der in einigen Regionen Nordamerikas heiße Sommer und die Gefahr einer eventuell sehr aktiven Hurrikan-Saison könnten indes dazu führen, dass die Bestände rascher schrumpften als derzeit angenommen, sagt Richard Egelton, Chefökonom der Bank of Montreal.

Nach dem kräftigen Preisverfall der vergangenen Monate sei die Marktstimmung so schlecht wie im Baissejahr 2003. „Wenn selbst langfristige Superbullen wie der legendäre Ölmagnat T. Boone Pickens aus Houston im US-Bundesstaat Texas vor der Schwäche des Marktes kapitulieren und ein langfristiges Preisszenario von fünf bis sechs Dollar zeichnen, dürfte das Stimmungstief erreicht sein“, sagt Klisch.

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