Steigende Preise
Tauziehen um Agrarrohstoffe

Mit Spannung beobachten die Akteure der Finanzwelt die sich abzeichnenden fundamentalen Veränderungen am Agrarmarkt. Dort kämpfen Energie- und Nahrungsmittelkonzerne derzeit bei steigenden Preisen und höheren Kursen um Zucker, Mais, Weizen und Raps.

FRANKFURT. Der sehr lange Zeit vernachlässigte primäre Sektor – die Agrarwirtschaft – gewinnt wegen der steigenden Weltbevölkerung und des absehbaren Ende des Ölzeitalters an Bedeutung. Diese Erkenntnis löst an den Finanzmärkten ein Umdenken aus. Der Agrarwirtschaft wird an den Börsen wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil. Die Renaissance des Wirtschaftszweigs findet in steigenden Preisen agrarischer Rohstoffe und höheren Kursen der Aktien von Agrarunternehmen ihren Ausdruck.

Entscheidende Impulse für das Geschäft mit agrarischen Rohstoffen erwarten die supranationalen Organisationen OECD und FAO in den kommenden Jahren aus der steigenden Nachfrage nach Bioenergie. Der jüngste Anstieg der Agrarpreise sei jedoch vor allem auf temporäre – meist witterungsbedingte – Faktoren und alarmierend niedrige Getreidevorräte zurückzuführen. Allerdings sei vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen vor allem auf der Nachfrageseite für das kommende Jahrzehnt mit anhaltend hohen Agrarpreisen zu rechnen, meint das von Loek Boonekamp und David Hallam angeführte Researchteam dieser Organisationen.

Die Experten sagen, dass geringere Ernteüberschüsse auf der einen und der Rückgang von Exportsubventionen auf der anderen Seite zu nachhaltigen Veränderungen des Weltagrarmarktes führen werden. Am bedeutendsten für die Zukunft des primären Sektors sei jedoch die künftig stärkere Nutzung von Getreide, Zucker, Ölsaaten und Pflanzenölen zur Produktion von Biotreibstoffen wie Ethanol und Biodiesel. Hiervon seien auf Jahre hinaus positive Impulse für die Getreidepreise und – über höhere Futtermittelkosten – auch für Fleischprodukte zu erwarten.

Die Analysten von Goldman Sachs und anderen Finanzhäusern sprechen in diesem Kontext sogar von einem „Kampf um Agrarrohstoffe“ zwischen der Energie- und Nahrungsmittelwirtschaft. Dieser Kampf betreffe jene Rohstoffe, die für die Produktion von Bioenergie und die Herstellung von Nahrungsmitteln genutzt werden. In ihrem Bericht zeigen OECD und FAO die Gefahr auf, dass höhere Agrarrohstoffpreise vornehmlich in jenen Ländern Besorgnis hervorrufen, die Nettoimporteure von Agrarprodukten seien. Auch für arme Entwicklungsländer wird in hohen Agrarpreisen eine Gefahr gesehen.

Vor diesem Hintergrund wird für die kommenden Jahre eine deutliche Steigerung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Rohstoffen und Agrarprodukten erwartet. Zunehmende Risiken sehen die Experten auch für jene Farmer, die ihr Einkommen vornehmlich in der Viehwirtschaft erzielen. Grund: Dieser Bereich müsse wegen höherer Getreidepreise mit steigenden Futtermittelpreisen kalkulieren.

Das auf dieser Sachlage basierende zunehmende Interesse am Agrarsektor hat die Deutsche Börse veranlasst, den DaxGlobal Agribusiness Index zu kreieren, der die Kursentwicklung von Aktien der 40 größten Agrarunternehmen reflektiert. Er gehe davon aus, dass Emissionsbanken schon bald Zertifikate auf diesen Index lancieren werden, sagt Heiko Geiger von der Deutsche Börse AG.

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