Steigende Rohstoffpreise
Derivate bieten Sicherheit

Die Rohstoffpreise, die in den vergangenen vier Jahren extrem gestiegen sind, belasten die Wirtschaft. Und trotzdem sind nicht einmal 30 Prozent der produzierenden Unternehmen in Deutschland und Österreich ausreichend gegen die hohen Preisschwankungen abgesichert, wie eine aktuelle Studie von A.T. Kearney zeigt.

FRANKFURT. Auf die Ertragsentwicklung der meisten Unternehmen haben vor allem die hohen Energiepreise einen negativen Einfluss. Schätzungen der Experten von A.T. Kearney zufolge erhöhten sich im Zeitraum von 2003 bis 2006 die Kosten im Einkauf des industriellen Sektors durch die hohen Rohstoffpreise um fünf bis 15 Prozent. Dies hätten die Unternehmen entweder auf der Einkaufs- oder Verkaufsseite kompensieren müssen.

Vor diesem Hintergrund ist es als Überraschung zu werten, dass noch nicht einmal 30 Prozent der produzierenden Unternehmen in Deutschland und Österreich ausreichend gegen die hohen Preisschwankungen der zum Einsatz kommenden Rohstoffe abgesichert sind, wie eine aktuelle Studie von A.T. Kearney zeigt. Allerdings gelinge es einigen führenden Unternehmen, durch gezielte Maßnahmen die negativen Folgen der hohen Rohstoffpreise in Grenzen zu halten. Die Ansätze reichen dabei von der Minimierung des eigenen Ressourcen-Verbrauchs bis hin zur größtmöglichen Kontrolle der Liefermärkte. „Die restlichen Unwägbarkeiten werden durch gezieltes Risikomanagement abgesichert“, sagt Jules Goffre von A.T. Kearney.

Nur ein Drittel der im Rahmen der Studie befragten Unternehmen würden das recht breite Hedging-Instrumentarium, das für das Management der Preisrisiken zur Verfügung stehe, auch wirklich nutzen, sagt Goffre. Das Interesse der Wirtschaft an solchen Instrumenten sei in jüngster Zeit allerdings deutlich gestiegen, ergänzt Alexandra Stelzer, Leiterin des Bereichs Rohstoffabsicherung bei der Hypo-Vereinsbank in München. Offensichtlich haben die höheren Kosten für den Rohstoffeinsatz die von den Unternehmen selbst gesetzte Schmerzgrenze überschritten.

„Die Sensibilität für das Problem hoher Rohstoffpreise ist gestiegen“, sagt die Expertin im Gespräch mit dem Handelsblatt. Immer mehr Unternehmen hätten die Notwendigkeit für eine professionelle Steuerung der beim Rohstoffeinsatz bestehenden Risiken erkannt, sagt Stelzer. Dies sei nicht zuletzt daran zu erkennen, dass die Aufgabe der optimalen Beschaffung von Rohstoffen bei zahlreichen Unternehmen von der Einkaufsabteilung auf den Bereich „Treasury“ übertragen worden sei. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt darin, dass zur Risikosicherung in der Regel mehr oder minder komplexe Derivate eingesetzt werden, die ein finanzielles Grundverständnis erfordern, das eher im Finanzwesen eines Unternehmens zu finden ist.

Viele Rohstoffpreise sind in den letzten vier Jahren stark gestiegen. Sie befinden sich – von Ausnahmen abgesehen – aber nicht auf einem Allzeithoch, wenn man die reale Entwicklung betrachtet. Falsch ist die Annahme, dass die Rohstoffpreise volatiler geworden sind. Dafür gibt es keine empirischen Beweise. „Umso erstaunlicher ist, dass sich zahlreiche Unternehmen durch die Entwicklung der Rohstoffpreise überraschen lassen“, sagt A.T. Kearney-Mann Goffre. Denn diese halte böse Überraschungen parat, vor allem für jene Unternehmen, die den mit Preisanstiegen verbundenen Mehraufwand nicht an Kunden weitergeben können.

Erfolgsfaktoren im Risikomanagement:

Für die Bewältigung der Volatilität und Versorgungssicherheit bei Rohstoffen nennt A.T. Kearney drei Erfolgsfaktoren.

Vorhersage: Nur 28 Prozent der befragten Firmen entwickeln Szenarien auf Basis von Vorhersagen, aus denen sie dann strategische Maßnahmen ableiten.

Rohstoffeinkauf: Die Mehrheit der befragten Unternehmen versucht, Preisrisiken auf der Einkaufs- und auf der Verkaufsseite zu transferieren.

Absicherung: Nur 33 Prozent der befragten Unternehmen setzen Hedging-Instrumente wie Finanzderivate ein. Lediglich 19 Prozent quantifizieren die damit verbundenen Risiken.

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