Steigender Eigenbedarf
Erzeuger horten Rohstoffe

Schneestürme, Missernten und Stromausfälle: Angesichts der angespannten Versorgungslage bei zahlreichen Rohstoffen greifen immer mehr Produzentenländer zu Maßnahmen, um ihren Eigenbedarf zu sichern. Experten rechnen mit wachsenden Eingriffen in den freien Handel mit Nahrungsmitteln und industriellen Rohstoffen.

LONDON. Bereits im vergangenen Herbst hat die Ukraine wegen einer schlechten Ernte ihre Exporte von Weizen drastisch eingeschränkt. Jetzt will Malaysia seine Ausfuhren von Palmöl durch eine Sondersteuer von 20 bis 25 Prozent erschweren. Damit wolle man die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu einem vernünftigen Preis gewährleisten, heißt es zur Begründung.

Experten rechnen wegen des wohlstandsbedingt rapide steigenden Eigenbedarfs der Schwellenländer - sowohl an Nahrungsmitteln als auch industriellen Rohstoffen - mit wachsenden Eingriffen in den freien Handel mit diesen Gütern. Verknappungen drohen laut Kevin Norrish von Barclays Capital in London aktuell im Agrarbereich. Gründe dafür sind der erhöhte Lebensmittelbedarf der Dritten Welt und der zunehmende Einsatz von Getreiden und Ölsaaten für die Herstellung von Biosprit.

Im Metallbereich spielen dagegen auch andere Gründe für weitere Verknappungen eine Rolle. Die Produktion der Metalle wird nach dem halbjährlichen Überblick "The Commodity Refiner" von Barclays, zunehmend von Kostensteigerungen, technischen Schwierigkeiten, durch Umweltschutzprobleme und durch Versorgungsengpässe bei der Energieversorgung (Stromausfälle) beeinträchtigt. So konnten 2007 Tausende Tonnen von Blei in Australien wegen Sicherheitsrisiken beim Transport nicht verschifft werden. In Südafrika beeinträchtigt eine voraussichtlich auf Jahre andauernde Stromverknappung - mangelnde Investitionen in neue Kraftwerke - die Gold- und vor allem Platinproduktion.

Die Analysten bei Macquarie Research, den China-Experten der Londoner City, beschreiben Engpässe in der Metallproduktion Chinas und die die wachsende Abhängigkeit des Landes von Importen. So seien die Stromausfälle während des extremen Kälteeinbruchs, die große Ausfälle in der Metallproduktion nach sich zogen, nicht nur die Folge der in Schneestürmen stecken gebliebenen Kohletransporte zu den Kraftwerken gewesen. "Dahinter steht auch eine rapide wachsende Nachfrage nach Thermalkohle, mit dem das Angebot kaum noch Schritt halten kann." Ohne zu zögern suspendierte Peking auf dem Höhepunkt der Krise daher "größere Mengen von Kohleexporten".

Die neuesten Zahlen der Vereinigung der Nichteisenindustrie Chinas belegen ebenfalls die wachsende Abhängigkeit des Landes von Metallimporten und spiegeln die Bemühungen der Regierung wider, eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. So stiegen die Nettoeinfuhren von raffiniertem Kupfer 2007 um über 130 Prozent auf 1,4 Mill. Tonnen, obwohl die heimische Kupferproduktion um 16,4 Prozent zunahm.

Inzwischen sind Kupferimporte von sämtlichen Abgaben befreit worden. Bei Blei ist das Reich der Mitte zwar per Saldo noch Exporteur. Doch auch hier sanken 2007 die Nettoexporte unter dem Druck eines rapide steigenden wachsenden Eigenbedarfs um fast 60 Prozent. Dabei half Peking mit der Einführung einer Exportsteuer von zehn Prozent kräftig nach.

Die Produktionsverluste von mehreren Hunderttausend Tonnen in der Kupfer, Zink- und Bleiproduktion Chinas durch den jüngsten Kälteeinbruch und die Verluste in der Kupferproduktion Sambias haben Verbraucher und Anleger an den Metallmärkten gleichermaßen aufgeschreckt wie die jüngsten Produktionseinbußen bei Gold und Platin durch Stromausfälle in Südafrika. "Auf vielen Märkten scheinen die Verwerfungen in der Produktion stärker die Preisentwicklung zu bestimmen als der große makroökonomische Hintergrund", meint ein Londoner Händler. Die nach wie vor robusten Preise des NE-Metallsektors, trotz der sich abzeichnenden Rezession in den USA, seien dafür der beste Beweis.

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