Steigender Verbrauch in China treibt den Preis hoch
Zink wird weltweit zur Mangelware

Analysten sehen Zink noch bis 2006 als gewinnträchtige Vermögensanlage für Spekulanten. Zwar konnte sich Zink dem Rückschlag an den Metallmärkten Mitte des Monats wegen der Eintrübung des Weltwirtschaftsklimas nicht entziehen. Doch dies wird sich bald ändern: So sinken die Lagerbestände, während die Ausweitung der Produktion trotz des Preisanstiegs von über 25 Prozent binnen Jahresfrist nur schleppend erfolgt. Überdies gilt Zink bei der Preishausse des gesamten Sektors seit Herbst 2003 als Nachzügler.

cla LONDON. Die Nachfrage nach dem in seiner reinen Form bläulich glänzenden Schwermetall aus Zinkblende und Zinkspat ist breit abgestützt. Zink dient weithin als Lötmetall, gemeinsam mit Kupfer als Legierungsmetall für Messing, und wird benötigt für die Verzinkung von Eisenblechen und die Herstellung von Trockenbatterien. Zinkstaub wird Farben und Lacken als Rostschutzmittel beigemischt. In der Medizin findet es wegen seiner entzündungshemmenden, austrocknenden und bakteriostatischen Eigenschaften in Salben und Pasten zur Behandlung von Wunden Verwendung.

Zu dem markanten Preisanstieg der letzten 18 Monate hat vor allem der Boom der weltweiten Stahlindustrie, insbesondere in China, beigetragen. Dort steigt derzeit die Stahlproduktion um fast 25 Prozent im Jahr. Das Riesenreich verschlingt inzwischen über ein Fünftel des Angebots an Zink am Weltmarkt.

„China hat aber noch aus einem anderen Grund die Situation auf dem Markt grundlegend verändert“, stellt die Londoner Economist Intelligence Unit, EIU, in ihrer jüngsten vierteljährlichen Analyse der Welt-Metallmärkte fest. Wegen des rapide steigenden Eigenbedarfs habe sich das Land von einem über Jahre wichtigen Exporteur zu einem Netto-Importeur gewandelt. Noch 2003 lag der Export nach Abzug der Importe bei etwa 300 000 Tonnen, 2004 gerade noch bei 15 000 Tonnen. Und im ersten Quartal 2005 übertrafen die Importe die Exporte um 50 000 Tonnen. „Selbst wenn es den Chinesen gelingt, ihre eigene Produktion im laufenden Jahr um etwa 150 000 Tonen hochzufahren, werden sie immer noch mindestens 85 000 Tonnen an Importen brauchen“, schätzt John Lennon von Macquarie Research in London. Zugleich kam vergangene Woche eine Meldung aus Russland, wonach auch dort die Exporte wegen des wachsenden Eigenbedarfs künftig sinken werden.

„Die Dynamik am Weltmarkt für Zink hat sich damit eindeutig geändert“, sagt Ingrid Sternby von Barclays. „Ein Preis von weniger als 1300 Dollar sollte daher jetzt als Kaufsignal verstanden werden“. An der Londoner LME notierte der Preis für den Dreimonatskontrakt zuletzt mit 1307 Dollar je Tonne.

Die EIU rechnet denn auch bis 2007 mit einer angespannten Versorgungslage bei dem Metall. Dazu trage auch bei, dass sich die großen Anbieter in Peru derzeit schwer täten, ihre Kapazitäten auszubauen. Weltweit herrsche überdies ein Mangel an Zinkkonzentrat. Ungeachtet der gestiegenen Preise sähen sich daher einige der Verhüttungsbetriebe in Europa aus strukturellen Gründen (dazu gehört auch der gestiegene Kurs des Euro) gezwungen, Kapazitäten stillzulegen. Und dieser Rückgang werde kaum durch den steigenden Ausstoß der Verhüttungsbetriebe in Asien wettgemacht. „Unter dem Druck sinkender Vorräte“, so das Fazit der EIU, „wird der Zinkpreis wohl noch bis zum Frühjahr 2006 ansteigen“.

Quelle: Handelsblatt

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