Strategische Metalle
China verknappt Molybdän-Förderung

Nach den Seltenen Erden und anderen strategischen Metallen könnte China demnächst auch das Angebot an Molybdän zurückfahren. Molybdän dient zur Herstellung gehärteten Stahls für die Bau- und Rüstungsindustrie sowie von Spezialteilen an Motoren, Flugzeugen oder in der Elektronik.
  • 2

PEKING. China ist das größte Herstellungsland und kontrolliert etwa ein Drittel des Weltmarktes. Die Zeitung "China Securities Journal" berichtete gestern, dass die Regierung in Peking das Metall zu einem strategisch wichtigen Rohstoff erklären und seine Förderung regulieren will. Die Aktien des weltgrößten Molybdän-Herstellers China Molybdenum stiegen nach Bekanntwerden der Nachricht am Markt in Hongkong um 44 Prozent.

China hat vor zehn Jahren begonnen, die Ausfuhr strategischer Metalle zu kontrollieren und Exportquoten zu unterwerfen. In den vergangenen Wochen hat diese Politik zu Reibungen mit westlichen Regierungen geführt: In einem Konflikt mit Japan hat China sein Nachbarland spüren lassen, dass es den Export der wichtigen Substanzen auch ganz einstellen könnte. Viele Länder besitzen zwar Reserven. Doch für die Produktion von Elektronik und anderen Technikprodukten sind kleine Mengen der Metalle letztlich unabdingbar - ein Ausfuhrstopp würde die Preise hochtreiben.

Bereits jetzt ist die Ausfuhr von Molybdän staatlich geregelt. Die Ausfuhrquote liegt bei 25 000 Tonnen jährlich. Doch seit Kurzem steht anscheinend auch eine Regulierung der Förderung neu in der Diskussion. Anders als für Molybdän gibt es für die 17 Metalle der Seltenen Erden bereits eine Föderkontrolle, die für zusätzlichen Preisauftrieb sorgt. Beobachtern zufolge wird China im kommenden Jahr den Export aller strategischer Metalle zusätzlich verknappen - schließlich hat die eigene Wirtschaft einen enormen Bedarf, was letzlich auch der Grund für die Kontrollen ist.

China macht sich derzeit besondere Gedanken um die Versorgung mit Molybdän. Die Stahllegierungen von Ölpipelines, Druckgefäßen für Kernreaktoren oder langen Trägern für moderne Architektur enthalten Molybdän. Da das Schwellenland derzeit seine Infrastruktur zügig ausbaut, sind es genau solche Stahlbauteile, an denen riesiger Bedarf besteht. China musste trotz seiner großen Vorkommen zuletzt sogar Molybdän einführen.

Eine langfristige, schwerwiegende Molybdänknappheit ist trotz allem nicht zu befürchten. Auf der Erde gibt es reichliche Vorkommen des silbergrauen Rohstoffs - China hat die Produktion bloß bisher am meisten ausgereizt. Unklar ist nun, wie schnell die Ausfuhrquote künftig sinken wird. Das Land verspricht offiziell, die Versorgung des Weltmarktes grundsätzlich aufrecht zu erhalten. "Wir werden die internationale Gemeinschaft weiterhin mit Seltenen Erden beliefern", sagte Premier Wen Jiabao vergangene Woche in Hanoi. Doch der - von China unwidersprochene - Zwischenfall mit Japan hat gezeigt, dass China seine Schlüsselposition durchaus nutzen will.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Strategische Metalle: China verknappt Molybdän-Förderung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Habe einige Zeit in China im Rohstoffhandel gearbeitet und musste feststellen, dass man für Geld nicht alles kaufen kann.
    bei Zellstoff für die Fasergewinnung (Viskosefaser) hieß es bei den Herstellern, wir liefern nicht nach China. bei Highend-Technik, welche auch militärisch genutzt werden kann, gibt es schon seit Jahr und Tag ein Embargo.

  • Nicht das erste Mal, dass das Hb eine irreführende Überschrift wählt. Wie lange dauert es noch, bis mir das Lesen des Hbs so peinlich sein muss wie anderen die bild?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%